In einem Land, in dem die Kriegszerstörungen nahezu umfassend waren, gibt es einen Ort, der überlebt hat. Hamningberg bietet einen Einblick in die Finnmark von früher, in das, was es nicht mehr gibt. Die Reise dorthin führt durch ein Lehrbuch der Geologie.

Rettung 5 vor 12

Hamningberg liegt im äußersten Nordosten Norwegens, zur Barentssee hin, eine knappe Stunde Fahrt von Vardø aus. Das Besondere an Hamningberg ist, dass dieses Fischerdorf beim Niederbrennen der Finnmark 1944-45 nicht zerstört wurde. Die Deutschen in der Gegend hörten Gerüchte, wonach die Russen in unmittelbarer Nähe seien, und flüchteten bevor sie die Zeit fanden den Ort zu zerstören. Man sagt, sie hätten die heißen Töpfe auf dem Herd stehen lassen. Somit ist dies einer der wenigen Orte in der Finnmark, an dem Sie alte Häuser und traditionelle Küstenkultur sehen können.

Eine Bebauung aus dem 19. Jahrhundert

Hamningberg war um 1900 mit 250 Einwohnern eines der größten Fischerdörfer in der Finnmark. Der Fisch, den die Hamningberger fischten, wurde vor allem an die Pomoren verkauft, die russischen Händler, die jeden Sommer über das Weiße Meer kamen, um Fisch zu kaufen und Getreide und Holz zu verkaufen. Viele von den Blockhäusern wurden in Russland vorgefertigt und in Hamningberg neu zusammengesetzt, das kann man an der Technik der Überblattung erkennen. Heute stehen hier rund 65 Häuser, sowohl am Wasser gelegene Bootshäuser mit überbauter Wohnung, reine Bootshäuser, das Haus des Fischerdorfbesitzers, der Laden als auch die Kirche, und bilden eine traditionelle Bebauung aus der Finnmark. Die Fischannahme und -fabrik aus den fünfziger Jahren ist ein Stück intakter Industriegeschichte aus der Zeit des Wiederaufbaus.

Kampf um die Mole und Abwanderung

Hamningberg wird erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt, und die Lage in nächster Nähe zu den Fischgründen und am äußersten Ende der Varanger-Halbinsel war damals, als man die Boote an Land zog, äußerst günstig. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Schiffe jedoch größer und man benötigte einen ruhigeren Hafen. Die Menschen in Hamningberg verlangten eine Mole, die jedoch nie kam. 1965 wurde beschlossen, das Fischerdorf zu entvölkern, und die Bevölkerung erhielt einen Umzugszuschuss. Genau wie bei allen anderen Fischerorten entlang der Küste, die den Todeskuss erhielten, blieb den Menschen nichts anderes übrig als zu packen und an einem größeren Ort neu anzufangen.

Sommerliches Treiben und winterliches Dahindämmern

Hamningberg erwacht jedoch für einige kurze Sommerwochen zum Leben, wenn die Straße geöffnet wird und ehemalige Bewohner und ihre Nachkommen zurückkommen. Der kleine Laden, der auch Kaffee und Waffeln serviert, ist vorläufig zu, hofft aber schnell öffnen zu können. Die Tagesgäste spazieren zwischen den Häusern herum, machen einen Spaziergang am Strand und sehen nach Rentieren, Adlern und Walen. Und sie genießen die Ruhe an einem Ort, an dem man ein hektisches Programm nicht braucht.

Durch die Mondlandschaft

Um nach Hamningberg zu gelangen, fahren Sie gut vierzig Kilometer von Vardø aus durch eine kahle und menschenleere Landschaft. Die Vegetation ist so dünn, dass Sie die darunterliegende Geologie wie ein offenes Buch lesen können; geschichtete Steinsarten, Moränen und alte Strandlinien. In einem Abschnitt direkt vor Hamningberg erhebt sich der Schiefer in eigentümlichen Formationen, durcheinandergewirbelt von gewaltigen Kräften. Hamningberg befindet sich am Ende der nationalen Landschaftsroute in Varanger