Menschen und Eiderenten sind abhängig voneinander, was die Nistplätze entlang der Küste angeht. Der Mensch bietet Schutz und bekommt weiche herrliche Daunen dafür. Im Weltkulturerbegebiet auf Vega wird diese Tradition gepflegt.

Eiderdaunen

Nichts ist so weich und luftig wie die Daunen des Eiderentenweibchens. Während sie brütet zupft sie sich kleine Daunen heraus um ihre Eier zu wärmen. Die Daunen haben kleine Widerhaken, die sich ineinander verhaken und somit eine luftig-leichte und wärmende Substanz schaffen. Decken von Eiderdaunen sind die leichtesten und wärmsten überhaupt – um vieles besser als Enten- oder Gänsedaunen. Eine Decke aus Vega kostet heute ungefähr 40 000 NOK.

Glückliches Zusammenleben

Viele Gefahren lauern im Leben der Eiderenten. Das brütende Weibchen ist Ottern und Nerzen ausgesetzt, während der leuchtend weiße Erpel während eines Tauchgangs oft leichte Beute des Seeadlers wird. Sie alle scheuen jedoch den Menschen. Die Eiderenten leben also sicherer, wenn eine Daunenbäuerin auf sie acht gibt.

So viele Eiderenten wie möglich

Je mehr Vögel man auf dem Hof hat um so mehr Daunen bekommt man. Deshalb muss man dafür sorgen, dass sich die Vögel wohlfühlen. Ein umgedrehtes Nordlandboot, ein leeres Sharkboot, eine Kellermauer mit vielen Öffnungen oder eine Bretterkiste mit Türen – all das kann ein geeigneter Nistplatz sein. Die Eiderente kann, mit anderen Worten gesagt, zwischen Wohnungen, Reihenhaus oder Einfamilienhaus wählen. Schon um die Osterzeit wird der Tang für die Nester gesammelt, so dass alles vorbereitet ist.

Auf Wohnungssuche

Im April gehen die Eidervogelpaare an Land. Das Weibchen und der Erpel sind auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Oft hat sie einen kritischen Blick: „ Das ist zu eng“ quakt sie dem Erpel zu. Manchmal muss der Erpel am Ende kurzen Prozess machen und sie in eine der „ Häuser“ einquartieren. Sie legt rund fünf Eier und brütet 28 Tage. In dieser Zeit nimmt sie keine Nahrung zu sich. Der Erpel schwimmt währenddessen weit aufs Meer hinaus und mausert sich, wechselt also sein Gefieder. Das Weibchen bekommt in der Zeit seiner Abwesenheit Hilfe von anderen Eiderenten.

Ruhe und Sicherheit

Das Leben in einem Nistgebiet dreht sich um die Eiderentenweibchen, die auf keinen Fall gestört werden dürfen. Die Katze wird in den Stall gesperrt, unartige Jungen werden vom Hof geschickt und die Daunenbäuerin geht feste Runden um nachzuschauen, ob die Weibchen in Sicherheit sind. Nach Mittsommer folgen die Entchen der Mutter ins Wasser und die Familie verschwindet hinaus ins Meer. Rund eines von fünf Eiderentenjungen überlebt bis zur Geschlechtsreife.

Die Säuberung der Daunen

Wenn die Eiderenten fort sind beginnt das Einsammeln und Reinigen der Daunen. Sand, Exkremente, Eierschalen – alles wird herausgelesen. Ein rostartiger Gegenstand, die sogenannte Daunenharfe, hilft dabei. Es dauert ungefähr eine Woche genug Daunen für eine Bettdecke zu reinigen. Früher wurden die Decken an die Daunenkäufer auf dem Märkten von Tilrem auf Brønnøy oder Bjørn auf Dønna verkauft. Der Käufer nahm gerne ein paar Daunen aus dem Sack und rieb sie zwischen den Fingern über einem Spiegel. Kamen Partikel aus den Daunen bekam die Daunenbäuerin weniger Geld dafür. Heute wird hauptsächlich maschinell gereinigt, dennoch sind auf Vega noch ein paar Daunenharfen in Gebrauch.

Eine bedrohte Lebensform

Es wohnen nicht mehr viele Leute draußen auf den Holmen in Nordnorwegen. Nach dem Krieg gab es eine Wegzugsprämie um Strom, Wasser und Schule bis zur äußersten Insel zu sparen. Außerdem möchten nicht viele eine Woche an einer Daunenharfe sitzen, um eine Decke zu stopfen. Auf den kleinen Inseln bei Vega wurden die Vogelwächter deshalb dafür entlohnt in der Brutzeit nach den Vögeln zu sehen. Oft waren die Vogelwächter Nachkommen der ursprünglichen Inselbevölkerung.

UNESCO Welterbe

Die Inseln von Helgeland waren schon immer ein wichtiger Schwerpunkt der Daunenproduktion. Die 6500 Inseln um Vega bieten reichlich Nahrung für die Eiderenten. Von je her gab es hier sehr viele Brutplätze. Die alte Nistplatztradition ist gut erhalten und eine der Ursachen dafür, dass die Vega-Inseln zur UNESCO-Welterbeliste gehören.

Besuchen Sie ein Daunendorf

Das Eiderentenhaus auf der Vegainsel Nes, auf einer alten Landungsbrücke gelegen, erzählt die Geschichte der Eiderenten auf leicht verständliche und fesselnde Weise. Nach einer Führung werden Sie dem Seeadler und dem Nerz all die geraubten Eiderentenjungen nicht verzeihen können. Nachdem Sie die Hintergründe erfahren haben müssen Sie hinaus zu den Vegainseln fahren. Im Sommer geht drei Mal pro Woche ein Ausflugsboot zu den Inseln. Hier draußen gibt es auch einige besondere Übernachtungsangebote. In der Brutzeit sind sie jedoch geschlossen. Man kann ja keine Touristen auf die Insel lassen, wenn man sogar die Katzen einsperrt, sobald die Eier in den Nestern liegen. Ein bisschen Planung ist also nötig.

Lesen Sie mehr

Das „Ehaus“ gehört zum www.helgelandmuseum.no. Die Touristeninformation auf Vegas Internetseite wimmelt von Information zu Vega www.visitvega.no,  Helgeland Reiseliv erzählt über alle Möglichkeiten in der Region auf ihre Seite www.visithelgeland.com. Auch unsere Seite zu besuchen lohnt sich.