Okstindan ist ein wildes, grandioses Bergmassiv mit den höchsten Gipfeln Nordnorwegens, Gletschern und der pfiffigsten Berghütte des Landes. Hier warten anspruchsvolle Gipfel- und Gletschertouren auf etwas erfahrenere Bergsteiger. Aber auch Bergwanderer finden herrliche Möglichkeiten.

Nordnorwegens Dach

Okstindan vereint eine Reihe von Superlativen der norwegischen Bergwelt. Hier findet man den Oksskolten, Nordnorwegens höchsten Berg auf 1916 Metern. Alpinisten können 11 Gipfel und mehrere Gletscher inmitten einer wilden, dramatischen Bergregion bezwingen. Die meisten Gipfel- und Gletschertouren sind eher für erfahrenere Bergsteiger geeignet. Für gemäßigtere Bergwanderer ist die Wanderung durch die Täler, die das Okstindmassiv umgeben, ein Genuss, ebenso der Besuch der Rabothütte, die als „coolste“ Wanderhütte Norwegens gilt und am Rand des Gletschers Vestisen liegt.

Die Gipfel

Von Weitem zeichnen sich die 11 markanten Gipfel des Okstindmassivs, aus Norwegens achtgrößtem Gletscher emporragend, deutlich von den abgerundeten, niedrigeren Bergen der Umgebung ab. Der höchste ist der Oksskolten mit 1916 Metern, die anderen erreichen immerhin noch 1901 bis 1.562 Meter. Zusammen bilden die Gipfel und Gletscher eine Abenteuerlandschaft im inneren Helgeland, die zu faszinierenden Touren in wilder, teils unberührter Natur einladen.

Die Gletscher

In unserer aktuellen Warmzeit, die vor 9000 Jahren nach der letzten Eiszeit einsetzte, schmolzen alle Gletscher der Region auf ein Minimum ihrer ursprünglichen Größe – außer dem Okstindbreen. Forschungen deuten darauf hin, dass der Austisen, der östliche Teil des Okstindbreen, tatsächlich alle wärmeren Perioden überstanden hat und bei kühleren Temperaturen wieder angewachsen ist. Die heutige Klimaerwärmung setzt jedoch auch ihm zu, er zieht sich nun wie die meisten Gletscher Norwegens zurück. Der Okstindbreen ist ein Plateaugletscher mit Gletscherzungen. Neben dem Hauptgletscher gibt es mehrere freiliegende kleinere Nebengletscher wie den Corneliussenbreen und Charles Rabot-Breen. Das gesamte Gelände zeigt deutliche Spuren der Gletscherbewegungen.

Leichte Wanderungen

Das Bergmassiv liegt zu großen Teilen auf über 1000 Höhenmetern, weshalb es zu den Hochgebirgslandschaften zählt. Die Vegetation besteht aus Flechten, Moosen, niedrigen Krautpflanzen und Heidekraut. In den Tälern, die zu den Gipfeln und Gletschern führen, wächst Birkenwald. Hier kann man markierten Wanderwegen folgen, beispielsweise vom Leirskardalen zu Rabothütte, weiter zur Kjensvasshütte und bis zur Gressvasshütte. Die Tour von Granheim am Nord-Røssvatnet durch das Spjeltfjelldalen bis zum Gressvatnet bewegt sich in niedriger gelegenem Terrain. Vom Nord-Røssvatnet kann man Tagestouren durch das Steikvassdalen und das Bessedørdalen unternehmen. Im Bessedørdalen gibt es mehrere historische Überreste der Samenkultur. Der Name deutet möglicherweise darauf hin, dass Okstindan für die Samen ein heiliges Gebirge war.

Gipfeltouren

Die 11 Gipfel des Bergmassivs üben vermutlich die stärkste Anziehungskraft aus. Der 1916 Meter hohe Oksskolten gilt als größte Herausforderung. Alle Gipfel sind mit anstrengenden Tagestouren verbunden, die gute Kondition erfordern, Steigeisen für die Querung von Gletscherarmen und einen Rucksack mit ausreichend warmer Kleidung, denn das Wetter ist am Polarkreis in 1500 Metern Höhe selbst mitten im Sommer unberechenbar. Wer die mit einem „T“ markierten Routen wählt, bewegt sich auf sicherem Grund. Als Lohn der Mühe winkt ein fantastisches Panorama über den Okstindbreen, die anderen 10 Gipfel, die gesamte malerische Helgelandsküste von Vega im Süden bis zur Lofotenspitze im Norden und das Tärnafjäll in Schweden.

Zugänge

Die Bergregion Okstindan ist über mehrere Zugänge erreichbar:

  • Von Westen her fährt man von Korgen in das Leirskardalen, durch das eine ganzjährig befahrbare Straße nach Melkarhella führt und im Sommer weiter bis auf 700 Höhenmeter. Von hier aus kann man zur Rabothütte wandern und weiter über den Gletscher Vestisen, oder die Tour über den Leirbotnet bis zur Kjensvasshütte fortsetzen.
  • Vom Brygfjelldalen führt ein Weg zur Gråfjellhütte hinauf und weiter bis zur Rabothütte, oder man wählt die Strecke über Oksfjellelv und Skardet bis zum Nord-Røssvatnet.
  • Von Norden her führt eine Fahrstraße (nur im Sommer geöffnet) von der E12 bei Umbukta südöstlich von Mo i Rana zur Kjennsvasshütte. Sie liegt idyllisch auf etwa 500 Höhenmetern am Kjensvatnet und ist der beste Ausgangspunkt für eine Tour auf den Oksskolten oder zur Gressvasshütte.
  • Von Süden her sind die Gipfel und Gletscher durch das Bessedørdalen, Steikvassdalen oder Spjeltfjelldalen erreichbar.
  • Auch eine schöne Okstindan-Hüttenrundtour ist möglich: Vom Brygfjelldalen geht es über Gråfjellhütte, Rabothütte, Kjennsvasshütte, Gressvasshütte und schließlich durch das Spjeltfjelldalen zum Stekvasselv. Dort kann man dann zwei Nächte in der Kjennsvasshütte verbringen, um den Oksskolten zu bezwingen.

Hütten und Übernachtung

Die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Bergmassiv Okstindan sind einfach gehalten:

  • Der Hemnes Turistforening, Teil des Norwegischen Wandervereins DNT, betreibt vier Hütten im Gebiet. Alle Hütten sind nicht bewirtschaftet, weshalb man den DNT-Schlüssel dabei haben muss, der für alle Hütten passt. Sämtlicher Proviant muss mitgebracht werden, ebenso ein Hüttenschlafsack. Die Gråfjellhütte liegt am Westrand des Okstindmassivs, die Kjennsvasshütte am Nordrand, die Gressvasshütte am Nordostrand und die neue, Aufsehen erregende Rabothütte hoch oben im Westen.  
  • Die Steinbua ganz oben im Leirskardalen und eine Kote (samische Gamme) im Spjeltfjelldalen eignen sich eher für Hartgesottene.
  • Am Südrand des Okstindmassivs liegt der Hof Stekvasselv, der Übernachtungen etwa auf dem Preisniveau der DNT-Hütten bietet.
  • In dem Ort Korgen am Westrand gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten wie Korgen Camping und die Pension Korgen Gjestegård. Auf dem Korgfjellet bietet das Korgfjellet Kro und Motel Zimmer und ein Restaurant.

Anfahrt

Von den beiden Städten Mosjøen und Mo i Rana ist die Bergwelt Okstindan in einer Stunde zu erreichen. Beide verfügen über einen Flugplatz und einen Bahnhaltepunkt auf der Strecke Bodø - Trondheim. Von dort aus benötigt man ein Auto – evtl. Mietwagen oder Taxi – um die Ausgangspunkte der Touren zu erreichen, da die Busverbindungen nur sehr begrenzt sind. An den Startpunkten bestehen ausreichend Parkmöglichkeiten.   

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