Die alte Kirche von Karasjok lässt das Ambiente einer Stadt erahnen, die dem 2. Weltkrieg zum Opfer fiel.

Die alte Kirche

Die alte Kirche von Karasjok, 1807 erbaut, ist die älteste lutherische Kirche der Finnmark – nur die kleine orthodoxe St. Georgskapelle in Neiden ist älter. Sie ist das einzige Gebäude in Karasjok, das den 2. Weltkrieg überlebte. 1974 wurde eine neue, größere Kirche gebaut, die alte Kirche blieb jedoch erhalten.

Empire-Interieur

Das Interieur ist geprägt vom Empire-Stil des Neoklassizismus, der die damalige Kunst dominierte. Der Chorbogen ist ein Königsmonogramm aus der Zeichenfolge C7 für Christian VII., der den Bau der Kirche formell in Auftrag gab. Die kleine Kanzel ist mit Spiegeln in geometrischen Mustern besetzt.

Tafelaltar

Der Tafelaltar von 1831, ein Geschenk von Prost Jens Florup Rasmussen aus Tromsø, ist eine seitenverkehrte Kopie der „Dornenkrönung Christi“ des flämisch-englischen Künstlers van Dyck –der unbekannte Maler hat vielleicht einen Kupferstich als Vorlage genutzt. Die Umrahmung ist im detailreichen weißen Empire-Stil ausgeführt, jedoch in derart leicht fließender Linie, dass man ein wenig an den Rokokostil erinnert ist.

Erinnerungen

Die Kirche hat eine Reihe von Veränderungen durchlaufen. Der Kirchturm, ursprünglich eine Kuppel, ist heute spitz. Kuppeln sind in Norwegen weniger verbreitet, gehörten damals jedoch zum Empire-Stil. Früher war die Kirche geteert, heute ist sie außen weiß gestrichen und innen naturbelassen.

Kirche als Lazarett

Im Herbst 1944 wurde Karasjok wie die meisten Orte der Finnmark zwangsevakuiert und niedergebrannt –die Kirche wurde jedoch verschont. Im Frühjahr 1945 rückten norwegische Truppen von England und Schweden in ein stark vermintes Gelände vor. Am 1. Mai 1945 geriet eine Kompanie von Soldaten in ein Minenfeld, wobei 22 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden. Die Kirche wurde so zur Erste-Hilfe-Station, Arzt und Krankenpfleger aus Stockholm „reisten“ per Fallschirm ein. Heute erinnert ein Denkmal vor der alten Kirche an dieses Ereignis.

Die neue Kirche

Die alte Kirche hat nur 140 Plätze. Karasjok wuchs jedoch nach dem 2. Weltkrieg zur Kleinstadt heran, weshalb die Kirche bald für die zahlreichen Hochzeiten, Konfirmationen und Versammlungen der Laestadianergemeinde zu klein wurde. 1974 wurde daher die neue Kirche geweiht, die Platz für 500 Personen bietet.

Schlichte Form

Die moderne Kirche mit dem steilen, kegelförmigen Dach erinnert an ein Samenzelt. Der Kirchenraum ist achteckig, da es bei den Samen acht Jahreszeiten gibt. Das Interieur ist auf Wunsch der Laestadianer, die das kirchliche Geschehen in der Zeit des Kirchenbaus dominierten, schlicht gehalten. Einziger Zierrat sind ein einfaches Holzkreuz und ein Kronleuchter. Der Kirchplatz ist, außerhalb des Kirchenraums, in das Gebäude integriert. Da in Karasjok die kältesten Winter des Landes herrschen, wurde er überdacht. Nach der Kirche wird hier Kaffee serviert.

Nähere Informationen

Weitere Informationen zur Kirche gibt es im Architekturführer Nordnorwegen: http://www.ub.uit.no/baser/arkinord/index.php?l=norwegian