Das Freilichtmuseum Kautokeino ist eine wahre Fundgrube. Ein geführter Rundgang vermittelt eine ganze Reihe von Überraschungen aus der ereignisreichen Geschichte dieser außergewöhnlichen Stadt am südlichen Ende des Finnmarksvidda-Hochplateaus. Außerdem beherbergt das Museum eine beeindruckende Trachtensammlung und eine Ausstellung historischer Skier.

Kautokeino 1930

Es lohnt sich, die kleine verblichene Luftaufnahme von Kautokeino aus dem Jahr 1930 näher zu betrachten. Sie zeigt nur wenige größere Holzhäuser, die ein Hotel sowie die Wohnungen für Krankenschwester, Priester und weitere Amtspersonen beherbergen. Ansonsten lebten die Menschen in einfachen Hütten und Gammen, den traditionellen Erdbehausungen der Samen. Da noch keinerlei Straßen existierten, verfügten alle – Arm und Reich, Samen wie Norweger – über Zugrentiere. Die fest niedergelassenen Bewohner hielten Lagerschuppen und Hütten auf ihren Grundstücken bereit, die den nomadisch lebenden Rentierhaltern gehörten. Diese nutzten die Gebäude zur Aufbewahrung von Kleidung und Ausrüstung, die sie gerade nicht benötigten. Als Gegenleistung hüteten die Rentier-Samen die Zugrentiere der sesshaften Bewohner.

Wolfsjagd auf Skiern

An der Wand hängt eine Sammlung diverser historischer Skier. Einige Modelle, die langen und breiten, wurden zum Hüten der Rentiere genutzt. Andere sind schmaler und kürzer und eigneten sich daher besser zur Wolfsjagd. Verfolgte man den Wolf mit raschem Schritt, ermüdete er mit der Zeit und sank schließlich erschöpft in den Schnee. Mit dieser Taktik konnten Wölfe, die eine ständige Bedrohung für die Rentierherden darstellten, leicht erlegt werden. Die Rentiere witterten den Wolf häufig schon. Suchten sie ängstlich die Nähe der Zelte, war es an der Zeit, ein Feuer anzuzünden und einen lauten, aggressiven Joik auszustoßen – den traditionellen Samengesang –, um den Wolf abzuschrecken.

Schneeraupe im Linienverkehr

Kautokeino hatte bis 1964 keine Straßenanbindung, die ganzjährig nutzbar war. Um die Gemeinde mit Lebensmitteln zu versorgen, verkehrte daher ein Raupenfahrzeug von Alta an der Küste über das Hochplateau nach Kautokeino, wobei auch der Ortsteil Masi angebunden wurde. Es schaffte 8 Stundenkilometer und erreichte nach 5 bis 7 Tagen sein Ziel. Im Schlepptau befanden sich mehrere Anhänger, so dass insgesamt ein kleiner Güterzug über den Schnee walzte. In einem der Wagen befand sich ein Ofen, der durchgehend beheizt wurde, um zu verhindern, dass die Frischwaren einfroren. Im Führerhaus wechselten sich mehrere Fahrer ab, Schlafplätze am hinteren Ende boten Gelegenheit für die Nachtruhe. Ein Modell dieser Güter-Schneeraupe kann im Museum besichtigt werden.

Kirchenstandort

Schweden errichteten 1650 die erste Kirche Kautokeinos, die jedoch 1701 durch einen Neubau ersetzt wurde. 1751 wurde die Grenze zwischen Norwegen und Schweden-Finnland festgelegt, wobei Kautokeino der dänisch-norwegischen Seite, die nahen Verwandten in Enontekiö jedoch der schwedisch-finnischen Seite zugeschlagen wurden. Die Kirche fiel 1944 schließlich der Strategie der verbrannten Erde zum Opfer, bei der die deutschen Besatzer Nordnorwegen nahezu völlig dem Erdboden gleich machten. Die Pfarrersfrau und eine Hausangestellte konnten jedoch zuvor noch den Altarkelch und die Schlüssel der Kirche vergraben, so dass diese gerettet wurden und nun – zusammen mit einer Reihe von Fotos der alten Kirche – im Museum zu besichtigen sind.

Winterkleidung

Ein großer Bereich des Museums ist der farbenfrohen Trachtenmode der Kautokeino-Samen gewidmet. Überaus wichtig sind gute Stiefel: Man trägt Skaller - Fellstiefel, die aus dem Beinleder des Rentiers genäht werden. Sie sind mit dem Heu der Blasen-Segge gefüllt, das für ein Luftpolster sorgt und daher gut isoliert. Alltagsstiefel sind graubraun, während weiße Stiefel zu Festen getragen werden. Auch die Hosen – Bellinger – bestehen aus dem Beinleder des Rentiers. Den Oberkörper schützt der Pesk – ein Pelzmantel, der vorne keine Öffnung hat, sondern über den Kopf gezogen wird. Früher trug man unter dem Pesk noch den Dork, einen Innenmantel, dessen Pelzseite zum Körper hin zeigte.

Lebendige Trachtenmode

Den Samen sind einengende Vorschriften zur Einhaltung von Trachtenregeln unbekannt – die Tradition der Trachtenschneiderei wird ohnehin ständig weiterentwickelt. Allerdings kann man in einer Tracht aus den neunziger Jahren heute auch nicht mehr zur Konfirmation erscheinen. Denn die Farben, deren Zusammensetzung sowie Muster ändern sich im Lauf der Jahre. Hinzu kommt, dass jede Trachtenschneiderin ihren eigenen Stil hat. Die Ausstellung im Museum zeigt Beispiele ab den fünfziger Jahren. Dabei wird deutlich, dass die Samentracht zunehmend farbenfroher und verzierter wurde. Die Kautokeino-Tracht ist die bunteste von ganz Lappland.

Besuch des Freilichtmuseums Kautokeino

Das Freilichtmuseum ist ganzjährig geöffnet. Die Teilnahme an einer Führung ist sehr empfehlenswert! Nähere Informationen unter http://www.riddoduottarmuseat.no/web/index.php?sladja=9&vuolitsladja=5&giella1=nor