Narvik veränderte sich innerhalb von fünf Jahren vom einfachen Hof zu Nordnorwegens modernster Stadt und einem Zentrum für Innovation. Das Museum Nord zeigt Narviks viele Seiten lebendig und abwechslungsreich.

Ein Hof wird zur Stadt

1890 war Narvik der Name eines Hofes. Der meiste Verkehr ging damals per Schiff an der Küste entlang. Das Gebiet hier im Ofotfjord lag weit abseits und hatte nur wenige Einwohner. Das Erz in den nordschwedischen Bergen musste jedoch hinaus zur Küste transportiert werden – und zwar zur nordnorwegischen eisfreien Küste, nicht zum Bottnischen Meerbusen, der das halbe Jahr zugefroren ist. Verschiedene Alternativen wurden diskutiert: Sowohl Sørreisa in der Troms als auch Rana waren als Transporthäfen aktuell.

Die Erzbahn

1884 begann eine englische Gesellschaft mit dem Bau der Bahn. Sie kamen bis Katterat an der schwedischen Grenze und gingen 1889 in Konkurs. Acht Jahre später wurde das Projekt als norwegische und schwedische Staatsangelegenheit wieder aufgenommen. Am 15. November 1902 fuhr der erste Zug von Kiruna nach Narvik und der Ort begann, sich zu entwickeln. Große Modelle im Museum Nord stellen die schnelle Verwandlung plastisch dar. In einem alten Zugwagen sitzend können Sie die Reise zur Grenze in einem Schwarz-Weiß-Film mitverfolgen.

Fotosammlung

Das Museum Nord kann auf ein Archiv von 200 000 Bildern zurückgreifen. Eine enge Auswahl davon hängt an der Museumstreppe, die auf Schwarz-Weiß die Entstehung Narviks, die hektischen Baujahre, die elegante Holzstadt der 1920er- bis 1930er-Jahre, die Zerstörungen durch den Krieg und den Wiederaufbau im Stile des Funktionalismus zeigt. Eine samische Hochzeit aus der Zeit vor der Stadtwerdung erzählt etwas von den kulturellen Veränderungen, die die Umstrukturierung um die Jahrhundertwende mit sich brachte.

Narvik in drei Etappen

Eine andere Fotosammlung vom Fotografen Carl Knutsen zeigt Narviks Stadtbild. Die Holzstadt aus den 1930er-Jahren im Schweizer und Jugendstil, die Wiederaufbauarchitektur aus den 1960er-Jahren und die neuesten Restaurierungen und Anbauten werden am gleichen Motiv aus drei verschiedenen Jahrzehnten chronologisch präsentiert. Die verblüffende Wirkung bleibt nicht aus.

Lachfalten

Viele Dinge im Museum Nord regen zum Lachen an. Der humoristische Künstler Karl-Gustav Gjertsen baute ein gigantisches Mobile aus vier fliegenden Objekten: ein Schneehuhn, es ist das Stadtwappen von Narviks schwedischer Partnerstadt Kiruna, das Flugzeug „Måsen“ vom weiblichen Flugpionier Gidsken Jacobsens, ein Flugzeug vom Typ Heinkel aus dem Krieg und ein Twinotter, ein alter Flugzeugtyp von Widerøes. Das Kunstwerk hängt über der Treppe zwischen dem ersten und zweiten Stock.

Kaffeestube

Möbel aus dem „Kaffistova“, dem ehemaligen Café des Bauernvereins, schmücken einen der Räume im Haus. Es sind Holzmöbel im Drachenstil, angefertigt von einem einheimischen Tischler und Malereien mit Motiven von Ofoten. Als die Kaffistova dem Caffè-Latte-Trend zum Opfer fiel, übernahm das Museum Nord die Möbel und entfernte das Respatex auf den Tischen.

Steinzeichnungen und Geologie

Die härtesten Fakten finden Sie in der kleinen Ausstellung zur Geologie, die sich besonders mit den Mineralien von Ofoten beschäftigt, die mit dem Grubenbetrieb im Zusammenhang stehen. Zwei helle Säle wirken fast wie eine Kunstausstellung, zu sehen sind aber Abbildungen von Steinzeichnungen aus Ofoten in Originalgröße. Friesartige Zeichnungen von Booten, Menschen die Heilbutte fischen, geometrische Muster sowie Rentiere und Elche in allen Positionen – der grafische Ausdruck einer 6000 Jahre alten Gedankenwelt. Damit die Felszeichnungen bewahrt bleiben, wollen die Archäologen den Standort nicht preisgeben – im Museum Nord aber kann man sie in Ruhe bestaunen.

Eine bunte Mischung

Ein Klassenraum mit alten Pulten und Tintenfässern („Aschenbecher?“, fragten die Schüler) und  skandinavische Karten über die Nordkalotte in der oberen Ecke sind in einem Saal im Museum installiert. Die Taucherausstellung berichtet über die Wracks im Narviker Hafen, als Folge des Zweiten Weltkrieges. Den Fischern kommt hier weniger Aufmerksamkeit als im restlichen Nordnorwegen zu – in Narvik dreht sich eben viel um das Erz.

Besuchen Sie das Museum Nord

Das Museum Nord ist ein etwas chaotisches, zusammengewürfeltes und humorvolles Museum. Das Haus wurde 1902, im Jahr der Gründung Narviks, als Hauptsitz der norwegischen Staatsbahn erbaut. Die Bauweise ist eine Mischung aus Jugendstil und Historismus und wurde vom hauseigenen Architekt der Eisenbahn, Paul Due, gezeichnet. Als wir von www.nordnorge.com  dort zu Besuch waren, zeigte unser Führer genauso oft aus dem Fenster zum Erzverschiffungshafen wie in die Vitrinen. Ein Besuch hier ist, mit anderen Worten, wie ein Besuch zu Hause bei den Narvikern.

Mehr zu lesen

www.destinasjonnarvik.com ist das Website des Fremdenverkehrsamts, mit viel Narvikinformation. www.museumnord.no berichtet über die Museen der Gegend.