Ein schmaler Pfad zwischen steil aufragenden, 600-700 Meter hohen Bergen und das große weite Meer: Der Küstenpfad Bø führt durch eine raue, ungezähmte Landschaft direkt am Atlantik.

Am Rande der bewohnten Welt

Im äußersten Westen der Vesterålen, direkt am offenen Meer, läuft man ab Straumsjøen 8 Kilometer lang über einen unbebauten Küstenabschnitt bis zur Wüstung Spjelkvågen. Einige Leuchtfeuer, die steilen Felsen des Küstengebirges, die ewige Brandung und die zahlreichen Seevögel sind hier die einzigen Wegbegleiter.

Etwas unwegsam, aber nicht schwierig

Der Pfad verläuft im Wesentlichen am Meer entlang, weshalb nur wenige anstrengende Steigungen zu bewältigen sind. Zu Beginn folgt man einem alten Karrenweg, der sich sogar für den Kinderwagen eignen würde. Ab Vikan geht es dann allerdings über Moore, Grassoden, Wiesen, Felsrücken und Steine, bald ist man überwiegend über Fels unterwegs. Ein etwas rutschigerer Wegabschnitt ist mit einem Stahlgeländer gesichert. Insgesamt ist die Wanderung kein Hochleistungssport, Trittsicherheit ist jedoch erforderlich. Die Markierung folgt nicht immer der Linie, die man intuitiv wählen würde – wenn man jedoch einfach der Küste folgt, kann man sich nicht verlaufen.

Spuren alter Besiedlung

Wer hier draußen am Atlantik unterwegs ist, bewegt sich durch eine alte Kulturlandschaft. Als die Boote noch so klein waren, dass man sie auch bei stürmischen Bedingungen noch von Hand an Land ziehen konnte, war es von Vorteil, möglichst weit draußen an der Küste zu wohnen –so konnte man die Anfahrt zu den reichhaltigen Fischgründen verkürzen. Mit größeren Booten rückte die Bedeutung eines geschützten Hafens jedoch in den Vordergrund, weshalb die äußersten Siedlungen nach und nach aufgegeben wurden. In Vikan einige Kilometer hinter Straumsjøen nutzt man die Häuser heute noch als Sommerresidenz, während in Åsand nur noch die Grundmauern stehen, da die Bewohner ihre Häuser damals mitnahmen.

Ganzjährig möglich

www.nordnorge.com  unternahm die Tour im Oktober bei klirrendem Frost, nachdem am Vortag ein Sturm gewütet hatte. Die niedrigstehende Sonne badete die Berge in einem goldenen Licht, der Wind hatte sich gelegt, die Pfützen waren vereist und das Meer schlug schwer gegen die Klippen. An einem milden, sonnigen Tag im März oder April, in schneedichtem Schuhwerk mit rutschfester Sohle muss es herrlich sein, hier den Frühling willkommen zu heißen. Ein trockener Tag im Frühherbst eignet sich vermutlich hervorragend zum Beerenpflücken am Wegesrand und zum buchstäblich „goldenen Ereignis“ wird eine abendliche Sommertour in der Mitternachtssonne. Auch im blauen Licht der Polarnacht ist wohl eine Kurzversion der Wanderung möglich, etwa von Straumsjøen nach Flaskefôret – jedoch nicht ohne Stirnlampe im Gepäck. Im milden Klima der äußeren Vesterålen ist diese Wanderung ein Erlebnis, das man sich, im Gegenteil zu vielen anderen Touren in Nordnorwegen, das ganze Jahr über vornehmen kann.

Planung der Tour

Der Küstenpfad Bø ist nicht übermäßig schwer zu begehen und daher für durchschnittlich Geübte geeignet. Da das Gelände teilweise etwas unwegsam ist, ist Trittsicherheit von Vorteil. Vor allem bei Regen, Frost und Schnee benötigt man gute Schuhe, eventuell empfiehlt es sich, Spikes anzulegen. An der Strecke gibt es keinerlei Besiedlung und daher auch keine Versorgungsangebote wie Gastronomie oder Toiletten. Wer das Auto in Straumsjøen parkt, benötigt von Spjelkvågen eine Fahrmöglichkeit zurück zum Ausgangspunkt –die Touristinformation ist gerne beim Ordern behilflich. Auch Trinkwasser gibt es an der Strecke nur begrenzt, daher sollte man eine gefüllte Trinkflasche im Rucksack haben.

Nähere Informationen

Der Tourismusverband Vesterålen Reiseliv bietet zahlreiche Informationen sowohl über Wanderungen als auch weitere Aktivitätsmöglichkeiten auf den Vesterålen unter www.visitvesteralen.com