Das Hexenmonument in Vardø versetzt den Besucher zurück in eine grauenhafte Zeit der europäischen Geschichte sowie zu den dunkelsten Abgründen des Menschen. Die Gedenkstätte Steilneset erinnert an die 91 Opfer der Hexenprozesse in der Finnmark im 17. Jahrhundert.

Die Gedenkstätte Steilneset

Die Gedenkstätte Steilneset, oft auch Hexenmonument genannt, ist den 91 Menschen gewidmet, die in der Zeit von 1598 bis 1692 in Vardø der Hexerei bezichtigt und verbrannt wurden. Das Denkmal besteht aus einer Gedenkhalle, entworfen vom Schweizer Architekten Peter Zumthor, sowie einem Flammenhaus mit einer Skulptur der französisch-amerikanischen Künstlerin Louise Bourgeois.

Die Hexenprozesse

Die Hexenprozesse waren ein gesamteuropäisches Phänomen. Zwischen dem 15. Jahrhundert und etwa 1750 wurden vermutlich bis zu 100 000 Menschen in Europa als Hexen verbrannt, die meisten in Deutschland und Schottland. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hatte jedoch auch die Region Finnmark zahlreiche Opfer zu beklagen, vermutlich die meisten in ganz Europa. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und nicht völlig geklärt. In abseits gelegenen, von Stürmen und Unwettern gebeutelten Fischerdörfern fiel möglicherweise die Vorstellung, jemand stehe mit dem Teufel im Bunde, auf fruchtbareren Boden als andernorts. Die als Hexen verdächtigten Personen kamen sowohl aus den norwegischen Fischerdörfern als auch aus samischen Siedlungen und wurden nach Vardø gebracht, um ihnen in einem Pauschalverfahren den Prozess zu machen. War man im Zweifel hinsichtlich der Schuldfrage, warf man die Verdächtigte ins Meer. Blieb sie auf der Wasseroberfläche, war dies der „Beweis“, dass es sich um eine Hexe handeln musste. Die sogenannte Wasserprobe wurde bei etwa einem Drittel der Prozesse in der Finnmark angewendet.

Die Verdammten, die Besessenen, die Geliebten

Die Skulptur «The Damned, the Possessed and the Beloved» der französisch-amerikanischen Künstlerin Louise Bourgeois (1911-2010) besteht aus einer ewigen Flamme, die von einem Stuhl emporzüngelt, der inmitten eines Betonkegels platziert ist. Die Flamme wird von sieben runden Spiegeln reflektiert, die die Richter symbolisieren, von denen die Angeklagte umringt war. Die Installation ist in einem Kubus aus rußigem Glas ummantelt. Die Schriftstellerin Donna Wheeler stellte fest, «die ewige Flamme, dieses verschlissene Symbol für Erinnerung und Reflexion, ist hier jeglicher versöhnlicher Qualität beraubt, sie beleuchtet einfach nur ihr eigenes destruktives Bild». Steilneset als Ort des Gedenkens lässt dem Besucher keine Ruhe, sondern schafft Unbehagen und Einblick in die dunkelsten Seiten der menschlichen Natur.

Gedenkhalle

Die langgestreckte Gedenkhalle hängt wie ein Kokon an einem Gerüst aus Kiefernholz. Sie beherbergt einen schwarzen, 125 Meter langen Gang, beleuchtet von 91 kleinen Fenstern, eines für jedes Opfer. An der Innenwand ist jedem Opfer eine eigene Gedenktafel gewidmet. Liv Helene Willumsen von der Universität Tromsø hat die wenigen Informationen zusammengetragen, die uns von den Prozessen überliefert sind, und in Textform gegossen. Lisebeth Nilsdatter aus Gamvik beispielsweise gab 1621 freiwillig zu, unter anderem Gott verleugnet, an Versammlungen mit Gelage und Tanz teilgenommen und Schiffe mit Zauberei belegt zu haben. Ingeborg, Peder Kroghs Frau, stritt die Anklage zunächst ab, schwamm jedoch bei der Wasserprobe wie ein Floß. Da gab sie zu, den Fisch eines Nachbarn vergiftet zu haben. Sie wurde zu Tode gefoltert. Margrete Jonsdatter gab 1663 zu, an einem Sankthans-Abend bei einer Versammlung auf dem Domen mit Gelage und Kartenspiel mit dem Satan teilgenommen zu haben. Synnøve Johannesdatter wurde 1678 dafür verurteilt, unter anderem eine Ziege mit Zauberei belegt und eine Krankheit verursacht zu haben, die zum Tode von Anders Jensen führte.

Sünden

Das Sündenregister enthält die Vergiftung von Speisen, das Belegen von Haustieren mit Krankheit, das Verursachen von Krankheit und Tod bei Menschen und die Verzauberung von Booten. Treffen mit dem Satan und Zusammenkünfte mit Gelage, Tanz und Kartenspiel auf dem Berg Domen vor Vardø kommen ebenfalls häufig vor. Man sinniert über die Stimmung in den kleinen Küstensiedlungen der Finnmark des 17. Jahrhunderts und welche Angst die Menschen vor dem Teufel gehabt haben müssen. Die Anschuldigungen kamen häufig von Nachbarn. Die meisten Verurteilten waren Frauen, es waren jedoch auch Männer betroffen.

Besuch der Gedenkstätte Steilneset

Das Hexenmonument liegt wenige Gehminuten vom Zentrum von Vardø entfernt auf der Seite der Festung Vardøhus sowie des Kais, an dem die Boote nach Hornøya ablegen. Vardø ist eine historische Stadt und ein traditionsreicher Fischerort im äußersten Nordosten Norwegens. Vardø liegt an der Norwegischen Landschaftsroute Varanger und ist mit dem Flugzeug oder mit Hurtigruten von Kirkenes aus zu erreichen. 

Nähere Informationen

  • Das Museum Varanger bietet nähere Informationen, auf der Homepage können auch Führungen für Gruppen gebucht werden.
  • Der lokale Tourismusverband Visit Varanger informiert über weitere Aktivitätsmöglichkeiten in der Region.