Die Natur ist im Begriff, die verlassenen Siedlungen am Leuchtturm Slettnes in Finnmark zurückzuerobern. Der „Fußspuren“-Pfad im Natur- und Denkmalschutzgebiet Slettnes animiert zu einem Spaziergang durch Geschichte, Flora und Vogelwelt der Finnmarksküste.

Geschichte, Vögel und Pflanzen

Das Natur- und Denkmalschutzgebiet Slettnes liegt ganz im Nordosten der Nordkinnhalbinsel zwischen dem Fischerdorf Gamvik und Slettnes, wo der nördlichste auf dem Festland befindliche Leuchtturm der Welt über dem Eismeer thront. Hier stößt man auf eine üppige Pflanzen- und Vogelwelt sowie die Reste einer Jahrtausende alten Besiedlung. Ein gut markierter Pfad verläuft als Rundweg zunächst am Meer entlang, anschließend hinauf, über die Heidelandschaft und schließlich zwischen den weiter im Landesinnern gelegenen Seen hindurch.

Wüstung

Hätte man diesen Ort vor 100 Jahren besucht, wäre man auf bewohntes Land gestoßen. Um die kleinen Buchten an der Außenküste gruppierten sich Gammen, in denen See-Samen lebten, die kombinierten Behausungen (Wohnung mit Stall) der finnischstämmigen Kvenen sowie norwegische Blockhäuser. Für die Saisonfischer gab es Rorbuhütten und Kaianlagen. Die Gebäude waren aus vor Ort gewonnenem Torf errichtet, mit Hilfe von Treibholz sowie aus Russland importiertem Bauholz. Ganz unten am Strand lagen die Anlegestellen mit den Bootshäusern und auf den Wiesen weideten Schafe und Ziegen. Die Fischerboote waren gerade so groß, dass man sie noch per Hand an Land ziehen konnte. Um etwa 1900 kamen Motorboote auf, die Kaianlagen benötigten, weshalb sich die Siedlungstätigkeit fortan auf die größeren Fischerdörfer konzentrierte. Nach den Brandschatzungen des 2. Weltkrieges wurden die Häuser um Slettnes nicht wieder aufgebaut, die Menschen ließen sich stattdessen in Gamvik nieder.

Steinwälle, Bootsanlegestellen und Labyrinth

Die Spuren der ehemaligen Besiedlung sind in der offenen, baumlosen Landschaft jedoch weithin sichtbar. Lange Steinwälle verlaufen kreuz und quer. Auf den kleinen ehemaligen Wohnplätzen fällt auf, dass die Vegetation fruchtbarer ist als in der Umgebung. Die Grundmauern der kleinen Häuser sind noch erkennbar, ebenfalls Reste der Anlegestellen am Strand. In der Bucht Daumannvika erahnt man die Reste einer Steingrube – einer mit Steinen ausgelegten Geländevertiefung zum Kochen von Seehund- und Waltran. In Steinvåg stößt man sogar auf ein Labyrinth. Labyrinthe sind nicht selten nahe samischen Gräbern zu finden und werden mit Zeremonien aus der Eisenzeit in Verbindung gebracht.

Schmarotzerraubmöwen-Kolonie

Wo sich der Pfad vom Meer abwendet, gelangt man in ein etwas steinigeres Gelände mit vielen kleinen Seen. Hier sind im Sommer in großer Zahl Vögel anzutreffen, sowohl Wat- als auch schwimmende Vögel. Norwegens größte Schmarotzerraubmöwen-Kolonie etwa ist in Slettnes beheimatet. Alpenstrandläufer, Sandregenpfeifer und Goldregenpfeifer sind leicht auszumachen, während man den Steinwälzer aufgrund seines gereizten Schimpftons am ehesten hören kann. Auch Seetaucher bevölkern den See, ebenso mehrere Entenarten.

Vegetation

Die Pflanzendecke auf Slettnes ist erstaunlich fruchtbar und zusammenhängend und steht in starkem Kontrast zur Steinlandschaft, die die Finnmarksküste dominiert. Im Spätsommer gibt es schwarze Krähenbeeren, Moltebeeren und Blaubeeren im Überfluss. Einige der Pflanzen, wie etwa die Sternmiere Stellaria humifusa und das Hahnenfußgewächs Ranunculus sulphureus sind arktisch und haben an der Finnmarksküste ihre südlichsten Standorte. Auf den ehemaligen Mahdwiesen wachsen Sibirischer Lauch, Scharfer Hahnenfuß und Gemeine Schafgarbe.

Am Horizont

Im Westen grüßt die charakteristische Spitze des Bispen herüber («Roald Amundsen») und dahinter thront das Kinnarodden, die Nordspitze des europäischen Festlandes über der Barentssee. Der Blick auf den Leuchtturm Slettnes begleitet den Rundweg zum größten Teil. Im Hintergrund überspülen weiße Wellenbrecher die tückischen Schären im seichten Fahrwasser der Küste. Weit draußen erkennt man Frachter und Trawler, ansonsten dominiert hier das große, weite Meer.

Wandern in Slettnes

Wandern am Eismeer mutet vielleicht wie Extremsport an, doch das Gelände ist eher parkartig – man läuft über federnde Krähenbeerheide, Wiesenpfade und kleine Feuchtwiesen. Dazwischen ist der Weg steinig, doch oft mit flachen Platten belegt, auf denen es sich angenehm gehen lässt. Wasserdichte Schuhe mit einer guten Sohle sind daher ausreichend, wichtig ist jedoch eine winddichte Jacke. Der Pfad ist gut und deutlich markiert, Info-Stationen bieten einen raschen Einblick in die Geschichte von Slettnes.  

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