In einem schwedenroten Kaigebäude von 1830 vermittelt das Polarmuseum Tromsø anschaulich das entbehrungsreiche Leben der Jäger (und Jägerinnen!) in der Arktis sowie die gefahrvollen Entdeckungsreisen im Eis.

Jagdhütte

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre hinein spielten Überwinterungen in Svalbard zu Jagdzwecken eine bedeutende Rolle. Im Polarmuseum stößt der Besucher auf eine Hütte aus der Zeit um etwa 1900. Er erfährt, wie die Menschen den arktischen Winter überleben konnten – ohne jegliche Versorgung von außen oder Kontakte zur Umwelt. Die Tage, die in der Polarnacht allenfalls Dämmerlicht bieten, vergingen mit den Kontrollgängen zu den Fuchs- und Eisbärfallen und mit der Jagd auf Rentiere und Robben. Die Abende verkürzte man sich gerne mit einem Kartenspiel.

Svalbard wird entdeckt

1596 stieß eine niederländische Expedition unter der Leitung von Willem Barents auf den Archipel – man war auf der Suche nach einer Nordostpassage, um nach Asien zu gelangen. Eine Episode mit einem Eisbären führte zur Bezeichnung Bjørnøya – Bäreninsel, während man Svalbard aufgrund der spitzen Berge „Spitsbergen“ taufte. Die Expedition kam nicht weit: In Novaja Semlja war sie gezwungen, zu überwintern und fast die gesamte Mannschaft starb an Skorbut. Die nötigen Utensilien für die damaligen Winterlager sind im Polarmuseum ausgestellt.

Goldrausch

Von 1611 bis 1650 gab es große Walfangstationen auf Svalbard, in denen Hunderte von Männern aus den Niederlanden, aus England und dem französischen Baskenland arbeiteten. Der Walfang warf zuweilen enorme Gewinne ab, die Arbeit war jedoch auch mit hohen Risiken verbunden: Im Polarmuseum ruht ein junger Niederländer, der an Skorbut starb. 1650 waren die Wale um Svalbard nahezu ausgerottet und der Walfang wurde aufgegeben.

Russische Ära

Im 18. Jahrhundert entsandte das russische Kloster auf den Solovki-Inseln im Weißmeer Jagdexpeditionen nach Svalbard, um Füchse, Robben und Eisbären zu erlegen. Die Russen lebten gemeinsam in einem Haus in Russekeila bei Longyearbyen, unterhielten jedoch noch mehrere Zweigstationen. In den 1780er Jahren starben jedoch alle ansässigen Russen an Skorbut, woraufhin die Aktivitäten von russischer Seite reduziert wurden. Die orthodoxen Kreuze auf der Inselgruppe erinnern noch heute an diese Ära.

Jagd im Eismeer

Norweger zeigten erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts Interesse für die Arktis. Das erste Segelschiff machte sich 1794 von Hammerfest nach Svalbard auf: Robben, Eisbären und Walrösser waren hier wichtige Beutetiere. In den 1850-Jahren lief Tromsø dem nördlicheren Hammerfest den Rang als wichtigste Eismeerstadt ab. Die Fanggebiete erstreckten sich zu dieser Zeit von Kanada bis nach Westsibirien; die wichtigsten Jagdgründe stellten jedoch das Westeis bei Grönland und die Eisgebiete rund um Svalbard dar. Die Jäger stachen im März in See und kamen im Juni zurück, voll beladen mit Fellen, Speck und gepökelten Seehundflossen. Mitunter war auch ein Eisbärjunges dabei, das an den Hamburger Tierpark Hagenbeck verkauft wurde.

Die Eisbärenjagd

Jäger auf Winterjagd installierten im Umfeld ihrer Hütten Selbstschussanlagen, die für die Eisbären bestimmt waren. Die Fallen mussten oft kontrolliert werden. „Eisbärkönig“ Henri Rudi beförderte im Laufe von 27 Überwinterungen 713 Eisbären ins Jenseits und Wanny Wolstad war die erste Frau, die als Jägerin in Svalbard überwinterte.

Roald Amundsen

Den Expeditionen von Roald Amundsen ist eine eigene Ausstellung im Polarmuseum gewidmet. Er durchsegelte 1903-06 mit dem Schiff Gjøa als erster Mensch die Nordwestpassage und erreichte im Dezember 1911 als erster Mensch den Südpol sowie 1926 als Leiter einer Expedition mit dem Luftschiff „Norge” den Nordpol. 1928 schließlich bezahlte er einen Rettungsversuch des verunglückten Luftschiffes «Italia» mit dem Leben. Eine außergewöhnliche Fotoausstellung gewährt tiefe Einblicke in Amundsens Leben und Wirken.

Besuch des Polarmuseums

Am Nordende des Zentrums von Tromsø, in einem malerischen Winkel mit vielen alten Häusern, liegt die Tollbodbrygga von 1830, eines der wenigen erhaltenen historischen Kaigebäude der Stadt. Die Deckenbalken sind nun gepolstert, denn die damals übliche Raumhöhe entspricht heutigen Körpermaßen bei Weitem nicht mehr. Das Polarmuseum ist Teil des Universitätsmuseums Tromsø. 

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