600 Einwohner, Stockfisch für 600 Millionen und Hunderttausende Seevögel – besuchten Sie Røst, Norwegens am weitesten von der Küste liegende Insel.

Røst – ganz draußen im Golfstrom

100 km seewärts vom Festland, am äußersten Zipfel der Lofoten-Inselgruppe, dort liegt eine flache Insel, dicht besiedelt, umgeben von steilen Inseln mit vielleicht einer Million Seevögeln. Im Winter lebt Røst gut vom Fischen und Trocknen des Kabeljaus, der an Italien weiterverkauft wird. Im Sommer ist das emsige Treiben jedoch zu Ende und die Bewohner wie auch die Touristen können den sommerlichen Frieden genießen.

Trocknen von Stockfisch

Große Teile der Insel sind mit Holzgestellen zum Trocknen von Kabeljau übersäht. Das Fischen in Lofoten beginnt schon im Januar, wenn der norwegisch-arktische Dorsch zum Laichen aus der Barentssee kommt. Bis April ist man voll beschäftigt mit Fischen, Verladen und Aufhängen - die Einwohner hier sind übrigens von den strengen norwegischen Arbeitszeitbestimmungen freigestellt worden. Aus Røst wird Fisch im Wert von einer Million Kronen pro Einwohner exportiert, so dass diese kleine Inselsiedlung wirklich ihren Betrag zur nationalen Wirtschaft leistet. Der Fisch bleibt bis zum frühen Sommer hängen.

Die Verbindung zu Italien

Im Jahre 1432 sank Pietro Querinis Schiff auf dem Weg von Kreta nach Brügge in Belgien. Die Überlebenden gelangten in einem Rettungsboot nach Røst wo die Inselbewohner ihnen Essen und ein Dach über dem Kopf gaben. Querini nahm den ersten Stockfisch aus Røst mit zurück nach Italien. Das war der Anfang des Verkaufs von stoccafisso, Stockfisch oder getrocknetem Fisch, an die Italiener. Heute geht fast die gesamte Produktion nach Italien. Die Verbindungen sind besonders stark zur Partnergemeinde Sandrigo in Veneto. In Sandrigo gibt es auch einen Platz der Piazzetta Røst heißt, und die Røstianer haben ein Holm beim Fährenkai zur Isola di Sandrigo umgetauft.

 

Zu den Vogelfelsen

Südwestlich von Røst erstreckt sich eine Kette mit Felseninseln. Die Inseln Vedøya, Sandøya und Trenyken sind die größten. Ganz am äußersten Zipfel liegt der legendäre Leuchtturm Skomvær fyr. Auf diesen Inseln brüten bis zu eine Million Vögel, größtenteils sind es Papageitaucher, aber auch Tordalken und Trottellummen kommen hierher. Die Dreizehenmöwe brütet sowohl in den Vogelfelsen wie auch auf Røstlandet. Im Sommer werden täglich Ausflüge zu den Inseln von Røstlandet angeboten.

Kulturlandschaft

Die Bebauung ist eine farbenreiche Mischung aus alten Bootshäusern, Scheunen, alten traditionellen sowie modernen Häusern. Größtenteils erstreckt sich die Siedlung entlang der Ost- und Südküste der Insel, einige wohnen auch auf den kleineren Inselchen herum, die Brückenverbindung zu Røstlandet haben. Um die Nordspitze herum, bei Nesset, sind die Häuser besonders malerisch. Auf der Insel Grimsøya betreibt man immer noch Eiderentenhaltung. Hier brüten einige hundert Enten im Frühsommer. Sie werden gepflegt und geschützt und wenn die Entenmutter das Nest mit ihren Nachkommen verlassen hat, kann man die sehr wertvollen Daunen für Bettdecken und Kissen einsammeln.

 

Brygga

Brygga ist der Name eines Ladens, der Ende des 19. Jh. entstand und heute das örtliche Museum beherbergt. Hier steht noch eine alte Küche mit Aussicht auf Stavøya und eine Stube mit Möbeln und Krimskrams verschiedener Zeitalter. Das Museum hat untraditionelle Öffnungszeiten, Sie können auf eine verriegelte Tür aber auch frisch zubereiteten Kaffee treffen. Das Museum befindet sich mitten in einer relativ dicht besiedelten Gegend, umgeben von vielen pittoresken alten Steinmauern, Bootshäusern, Schuppen, Wohnhäusern und Weiden.

Hinter dem Tulpenzaun

Der größte Teil im nördlichen und westlichen Teil Røsts ist sumpfiges Weideland, mit kleineren Teichen übersäht. Um die zotteligen Schafe daran zu hindern, in die Gärten hineinzuspazieren, haben die Inselbewohner einen Zaun, den Tulpenzaun, aufgestellt. Im Westen liegt auch ein Vogelreservat für Watvögel und Enten.

Ein kleiner Schatz

Das jetzige Kirchengebäude in Røst stammt aus dem Jahr 1900. Es ist eine kleine Holzkirche im Schweizerstil. In der Kirche steht aber eine kleine Seltenheit – ein Kastenaltar aus dem Jahr 1520. Als Prinzessin Elisabeth im Jahr 1515 von Flandern nach Dänemark segeln sollte, um Christian II von Dänemark-Norwegen zu heiraten, geriet das Schiff in Seenot. Sie legte deshalb ein Gelübde ab, dass sie fünf norwegischen Küstenkirchen einen Altarschrank schenken würde, falls sie gerettet werden sollte. Der Kastenaltar stammt aus Utrecht und stellt drei Heiligenfiguren dar, unter anderem Olav den Heiligen.

Frühere Kirchen

Seit dem Mittelalter wurden in Røst insgesamt 5 Kirchen errichtet. Die dritte Kirche wurde 1835 von einem Orkan mitgerissen. Der Kirchturm viel auf den Friedhof und wurde als freistehender Kirchturm, ein sogenannter Glockenstapel, benutzt. 1839 baute man eine neue Kirche aus Stein, deren pittoreske Ruinen immer noch zu sehen sind, nachdem sie 1900 von einer neuen Kirche ersetzt wurde.

Streifzüge auf Røst

Røstlandet ist ein flaches, grünes Fleckchen von weniger als vier Quadratkilometern und dem höchsten Punkt von 11 Metern. Am einfachsten ist es, die Insel mit dem Fahrrad zu entdecken. Jeden Tag um zwölf Uhr gibt es Waffeln bei Fiskarheimen, ansonsten kann man einfach auf Streifzug gehen. Auf der Insel gibt es mehrere Gaststätten, einige haben tagsüber, andere wiederum abends offen. Auch das Übernachtungsangebot ist gut, vom einfachen und preiswerten bis zur guten Mittelklasse.

Weitere Infos

www.lofoten.info ist die Webpage der Fremdenverkehrsorganisation Destination Lofoten. Hier gibt es Infos zu unter anderem Unterkünften, Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten.