Frappierend unmissverständliche Formen in sattem Kolorit: Eva Schmutterers Kollagen der Insel Magerøy könnten die mystische Kargheit jenseits der Baumgrenze kaum deutlicher einfangen. In der sonnengelben Galerie „Østenfor solen” unweit des Nordkaps gerät man nahezu rauschartig in die Tiefen der stimmungsvollen Szenerien.

Magerøy auf Papier gebannt

Die Mitternachtssonne über dem Horizont des Nordkaps, die plateauartige, steil zum Meer hin abfallende Landschaft, ein Rentier hoch über dem verlassenen Fjord, blühender Mohn, eine fliehende Möwenschar, ein Leuchtturm inmitten der Küstenfelsen: Dies ist die Insel Magerøy, von der Eva Schmutterers Bilder handeln –in leuchtenden Farben und klaren Formen, denn ihre Werke sind Kollagen, gefertigt mit Messer und Leim. Die Wirkung ist verblüffend.

Von Nürnberg in den hohen Norden

Die Liebe führte Eva Schmutterer, die aus Nürnberg stammt, 1997 an den Rand des europäischen Festlandes. «Mein Mann wollte nicht nach Deutschland gehen», erklärt sie, «also habe ich mich auf Magerøy niedergelassen». Die Mittelfränkin war von Anfang an fasziniert von der arktischen Landschaft und dem mystischen, ständig in Veränderung begriffenen Licht. Sie begann, die Szenerie künstlerisch zu verarbeiten. Dies war ihre ganz persönliche Art, sich der Natur zuzuwenden, die so bald zu einem Teil ihrer selbst wurde: «Die Natur ist groß und der Mensch klein, daher gebührt ihr unser Respekt».

Technik

«Ich liebe eure Broschüren», meint Schmutterer zu www.nordnorge.com, ein Leuchten in den Augen. «Fotos im Überfluss und gute Papierqualität – es ist eine wahre Freude, sie zu zerschneiden». Pinsel und Palette sucht man vergeblich in ihrem Atelier, dafür sind Schere und Leim allgegenwärtig. Damit verwandelt sie Altpapier in ausdrucksvolle Kollagen mit klar umrissenen, plastisch wirkenden Flächen. Alljährlich im Herbst, nach Abschluss der Tourismussaison, füllt sie ihr Rohstofflager auf – dann werden die übrig gebliebenen Reisebroschüren eingesammelt und mit weiterem Material ergänzt. So ausgestattet steht der Kreativität und Schaffenskraft während der langen, dunklen Wintermonate nichts mehr im Wege.

Galerie und Laden

In einem mit gelben Eternitplatten verkleideten Haus im Fischerdorf Kamøyvær mit Blick auf den Hafen hat Eva Schmutterer ihre Galerie eingerichtet. Das umgebaute Wohnhaus aus der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg ist hell und offen gehalten, das Licht flutet über die Bildoberflächen. Hier finden auch die witzigen Souvenirartikel Platz, angelehnt an den Stil der Kollagen, wie etwa Kühlschrankmagnete, Lesezeichen, Karten und Schmuck, allesamt von der Künstlerin selbst gefertigt und zu erschwinglichen Preisen angeboten. Neben alledem ist Schmutterer auch noch Kinderbuchautorin: „Lisa und der Nordkap-Troll Schmurrkk“ gelangte als Präsent sogar ins königliche Schloss. Dronning Sonja las die Geschichte ihren Enkelkindern vor – und bedankte sich mit einem handgeschriebenen Brief.

Lebhafter Sommer

«Nach dem Ende der Saison freue ich mich zwar auf die Ruhe des Winters», verrät Schmutterer. Die braucht sie, um ihre Kreativität voll entfalten zu können. In diesen Monaten schneit allenfalls einmal ein einsamer Reisebus herein, Tagesausflügler einer winterlichen Kreuzfahrt mit dem Postschiff Hurtigruten. Doch wenn der Sommer naht, tauscht sie das beschauliche Leben gerne wieder gegen die fröhliche Betriebsamkeit, die die zahlreichen Gäste aus Nah und Fern in die Galerie bringen. Heute ist die Wahl-Norwegerin vollständig integriert. «Die Menschen waren zunächst schon ein wenig zurückhaltend» berichet sie, doch mittlerweile hat sie viele Freunde und einen großen Bekanntenkreis. Die Insulaner sind sogar stolz auf „ihre“ Galerie und lassen sich gerne sehen, um Geschenke einzukaufen.

Nähere Informationen

Die Hompage der Galerie www.evart.no gibt einen aufschlussreichen Einblick in Schmutterers Kunst.  Unter www.nordkapp.no bietet der Tourismusverband Nordkapp Reiseliv zahlreiche nützliche Informationen rund um das Nordkap.