Die Gletscherzunge Engenbreen führt den Svartisen, Nordskandinaviens größten Gletscher, nahezu bis auf Meereshöhe herab. Der Anblick der bläulich schimmernden Eismassen, die sich im Holandsfjord spiegeln, lässt jegliche Gespräche verstummen.

Panorama

Inmitten der fruchtbaren, grünen Landschaft des nördlichen Helgelands wirkt die weiße Masse mit dem an Babyblau erinnernden Farbstich nahezu widernatürlich. Umgeben von wilden Berggipfeln und fruchtbaren Talseiten hängt das Spiegelbild des Gletschers kopfüber im fahlgrünen Schmelzwasser des Holandsfjords. Kommt man mit dem Boot um die Landspitze herum gefahren, rückt das Panorama so plötzlich ins Blickfeld, dass man ehrfurchtsvoll innehält.

Tour zur Gletscherfront

Mit einem gemieteten Fahrrad fährt man eine Viertelstunde gemütlich am Svartisvatnet entlang bis zum Ende der Straße. Von hier aus führt ein gut markierter Pfad bis fast an die Eiskante. Beim Aufstieg wandert man über den glatt gescheuerten Fels, den der Gletscher bei seinem Rückzug erst kürzlich freigelegt hat. Daher gibt es hier keinerlei Vegetation oder Geröllmassen, nur das blanke Gestein in wellenartigen Formen, die die Scherkräfte des Eises hinterlassen haben. An abschüssigen Stellen sind Geländer angebracht, doch besonders bei feuchtem Wetter sollte man vorsichtig sein und den Weg nur mit rutschfestem Schuhwerk begehen.

Blaueis

Es ist eine seltsame, stille Welt dort oben am Eis. Die Gletscherfront türmt sich als unförmige Masse auf, an einigen Stellen relativ weiß, an anderen von einem tiefen, transparenten Blauton durchzogen. Wo der Gletscher gekalbt hat, liegen große Eisbrocken vor der Gletscherfront. Der Anblick verdeutlicht, wie ratsam es ist, gebührenden Abstand zu halten. Aus einer tunnelförmigen Öffnung schießt das Schmelzwasser aus dem Eis hervor, dessen Tosen das einzige Geräusch weit und breit ist. Ganz in der Nähe, wo sich noch vor wenigen Jahren die Eismassen über den Boden wälzten, lugen bereits winzige Zweige von Vogelbeere und Weide aus dem Kies.

Arm des Svartisen

Der Engenbreen ist ein Teil des Svartisen, Norwegens zweitgrößtem Gletscher, der größtenteils auf einer Höhe von 1200-1400 Metern liegt. Hier oben fallen die milden, feuchten Luftmassen vom Atlantik größtenteils als Schnee, der sich ansammelt und zu Eis gepresst wird. Das Eis gleitet nach und nach zu Tal und bildet Gletscherzungen. Der Engenbreen ist in ganz Festlandeuropa der Gletscher, der sich am weitesten hinabwagt.

Vorstoß und Rückzug

Der Engenbreen unterliegt dem ständigen Wechselspiel zwischen Vorstoß und Rückzug. Während der «kleinen Eiszeit» im 18. Jahrhundert reichte die Gletscherfront vermutlich bis ganz hinunter zum Holandsfjord. Danach zog er sich langsam wieder zurück und um 1900 entstand allmählich der Gletschersee Svartisvatnet, der um 1940 sogar völlig eisfrei war. Noch bis 1965 wanderte die Gletscherfront ein weiteres Stück den Fels hinauf, woraufhin aber wieder Zeiten der Vorstöße folgten. Seit 1997 hat sich das Eis jedoch deutlich zurückgezogen, heute muss man vom See aus noch eine halbe Stunde zur Eiskante laufen.

Anfahrt

Um einen Gesamteindruck zu erhalten, sollte man auf der Küstenpanoramastraße (Fylkesvei 17) beim Aussichtspunkt in Braset anhalten, der einen malerischen Blick über den Holandsfjord auf den Engebreen bietet. Das Gletschererlebnis wird jedoch umso intensiver, je näher man sich heranwagt. Wer den Fjord mit dem Schiff überquert und sich zur Eisfront aufmacht, stößt zunächst auf den Gletschersee Svartisvatnet, wo der Svartispavillon, ein gemütliches Aussichtscafé mit Blick auf den Eisriesen, zu einer Pause einlädt. Wer möchte, kann am Kai nun ein Fahrrad mieten und die Strecke bis zum Ende des Sees im Sattel zurückzulegen. Von hier aus ist der Gletscher nur noch einen halbstündigen Fußmarsch entfernt. Insgesamt sollte man für den Ausflug etwa 4 Stunden einplanen.

Nähere Informationen bietet www.visitmeloy.no