Der klarblaue, schöne Scheinmohn aus dem Himalaya, Pantoffelblumen von den Falklandinseln, aprikosenfarbene Bitterwurz aus den Rocky Mountains, griechische Polsterpflanzen in kräftigen Farben – der weltweit nördlichste Botanische Garten in Tromsø bietet blühende Schönheit wie kein anderer Botanischer Garten.

Eine einzigartige Sammlung

Der arktisch-alpine Botanische Garten in Tromsø hat tausende von Pflanzenarten aus der ganzen Welt. Die Pflanzen kommen jedoch aus den Polargegenden oder aus dem Hochgebirge und gedeihen in den milden Gegenden, in denen die meisten Botanischen Gärten liegen, schlecht. Das Tromsø-Klima mit seinen langen schneereichen Wintern und kühlen und feuchten Sommern ist hingegen ideal, hier fühlen sich diese hitzeempfindlichen kleinen Dickhäuter wohl. Der Garten hat auch Steinanlagen und Schotterbereiche, die die Bedingungen wiedergeben, unter denen die Dickhäuter unter den Pflanzen der Welt leben.

Meconopsis – der blaue Liebling des Gartens

Den Scheinmohn findet man in der Himalaya-Abteilung in mehreren verschiedenen Arten und Hybriden. Der bekannteste, der Große Blaue Scheinmohn (Meconopsis ’Lingholm’), beginnt erst spät im Juni zu blühen, dann aber mit über meterhohen Stängeln mit riesengroßen, leuchtend blauen Blüten. Es finden sich auch weiße, weinrote und gelbe Arten. Es gibt wenige Botanische Gärten in der Welt, in denen es dem Scheinmohn so gut gefällt, wie in Tromsø.

Das Rhododendron-Tal

Im Juni leuchtet es rot, lila, gelb und weiß im Rhododendron-Tal, in dem es eine besondere Sammlung an kleinen Rhododendren gibt. Früher dachte man, dass ein Anpflanzen von Rhododendren so weit im Norden nicht möglich wäre. Doch die kleinwüchsigen Arten, die hoch oben in den Bergen heimisch sind, gedeihen ausgezeichnet. Der Garten verfügt über beinahe 60 Arten zuzüglich vieler Kreuzungen und Kulturvarietäten, und diese Sammlung ist jetzt eine farbenreiche Schau. Die meisten stammen aus China, einige aus dem Kaukasus und aus den Alpen. Unsere heimische Lappland-Alpenrose (Rhododendron lapponicum), die im Fjell in Indre Troms wächst, benötigt etwas andere Wachstumsbedingungen und ist in der Arktis-Sammlung im Aufbau...

Die Arktis-Landschaft

Die auffälligste Steinlandschaft im Garten ist „Arktis“, ein moränengleicher Hügel mit riesigen Felsblöcken. Hier werden nur Pflanzen angepflanzt, die nördlich der polaren Baumgrenze wachsen. Viele Arten von Silberwurz (Dryas), Alpenarnika (Arnica angustifolia) und Jakobsleiter (Polemonium boreale) beherrschen im Juni das Bild, während die Prachtnelke (Dianthus superbus) aus der Ost-Finnmark im Juli erscheint. Kälte benötigende Arten aus Svalbard stehen am nordseitigen Hang, und die Sammlung beinhaltet auch den Erhaltungsanbau von Arten, die in der Natur vom Aussterben bedroht sind. In diesem Jahr wird z. B. eine Sammlung des Hahnenfußgewächses Ranunculus wilanderi aufgebaut, das weltweit bekannt ist, weil es nur von einer Stelle auf Svalbard bekannt ist, an der zuletzt nur 51 Individuen registriert wurden.

Bitterwurz – eine auffällige Amerikanerin

Im Juni-Juli öffnen sich große Blüten an der Bitterwurz (Lewisia rediviva) aus den Rocky Mountains. Sie erscheinen im Frühling mit einer Rosette aus fleischigen Blättern. Im Sommer sterben die Blätter ab und große, rosafarbene Blüten wachsen direkt aus dem kräftigen Rhizom hervor. Für Besucher sieht das aus, als hätte jemand einen Blumenstrauß direkt in den Schotter gelegt.

Von den Russen

Früher war Kirovsk auf der Kola-Halbinsel der nördlichste Botanische Garten der Welt. Als der Botanische Garten von Tromsø angelegt wurde, erhielt er als Geschenk aus Kirovsk einige Pflanzen, die im Freundschaftsgarten, ganz oben in der Anlage, zusätzlich zu Pflanzen, die später hinzugekommen sind, versammelt sind. Der Blaustern Scilla rosenii und der Sibirische Hundszahn (Erythronium sibiricum), beides Zwiebelgewächse, haben prachtvolle Kolonien gebildet, die jetzt 17 Jahre alt sind.

Rings um den Teich

Rings um den Teich im Garten gibt es eine nach Süden ausgerichtete Anlage gleich einem Amphitheater sowie Hochstauden und Pflanzen aus der Gattung Hahnenfuß. Oberhalb des Teichs liegt eine Steinlandschaft mit Primeln. Hier gibt es im Frühling sehr viele vielfarbige Arten, wovon die meisten an ein kühles Klima angepasst sind, und andere sommer- und herbstblühende und wohlriechende Arten im Herbst.

Südliche Halbkugel

Die Pantoffelblumen (die Gattung Calceolaria) und die Antarktische Scheinbuche Nothofagus antarctica stammen von der Südspitze Amerikas. Die dornenartigen Blattspitzen der Aciphylla-Arten aus Neuseeland (erstaunlicherweise ein Doldengewächs) entstanden, um sie davor zu schützen, von den früher großen Scharen von Vögeln, die auf den Graswiesen dort weideten, gefressen zu werden. In Neuseeland gibt es keine Säugetiere, nicht einmal Beuteltiere. Heute gibt es eine planmäßige Beweidung, doch der häufig in Kreuzworträtseln vorkommende Vogel Moa und seine Verwandten sind leider vor langer Zeit ausgerottet worden.

Die Afrikaner im Norden

Ganz im Süden in diesem Gebiet können Sie auch erstaunlich viele Arten aus Südafrika sehen, u. a. eine gelbe sukkulente Mittagsblume (Delosperma basuticum), die gut überlebt, so lange sie in trockene Felsritzen gepflanzt wird.

Nordnorwegische historische Gartenpflanzen

Eines der Ziele des Gartens ist die Pflege unserer nordnorwegischen Gartentraditionen. Bekannte, traditionelle Zierpflanzen bilden die großen Sammlungen aus Blauem Eisenhut (Aconitum napellus), historischen Rosensorten und Eisenhutblättrigem Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius ’Flore Pleno’).

Kräuter, Heilmittel und Liebe

Eine angrenzende Sammlung umfasst Kräuterpflanzen, Heilpflanzen und Drogenpflanzen. In einem besonderen, herzförmigen Beet, wachsen die nützlichsten von allen, nämlich die aphrodisischen Pflanzen.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch im Garten?

Der Garten ist ganzjährig geöffnet, aber er ist natürlich sehenswert, wenn kein Schnee liegt. Der Garten veröffentlicht jede Woche auf der Website des Museums Tromsø aktuelle „Ankündigungen zur Blüte“. Auf der Website des Botanischen Gartens an der gleichen Stelle können Sie auch alle Ankündigungen zur Blüte vom Vorjahr sehen. In einem normalen Jahr wird die Blüte ungefähr wie folgt verlaufen:

  • April: die ersten in der Steinbrechsammlung
  • Mai: Steinbrech- und Primelsammlungen, Küchenschellen (Pulsatilla)
  • Juni: Rhododendron, Primeln, Arktis-Bereich, Teile der Steinbrechsammlung, Frühlings-Enzian (Gentiana verna)
  • Juli: Scheinmohn (Meconopsis), viele halbhohe Stauden, Prachtnelke
  • August: die Hochstauden am Teich, Sommerprimel (Primula florindae), traditionelle nordnorwegische Pflanzen und die Kräutersammlung, Doppelsporn (Diascia Anastrepta) bei den Pflanzen aus Afrika
  • September: Enziansammlung, nordnorwegische Traditionspflanzen und Hochstauden
  • Oktober: herbstblühende Enzianarten, Herbstfarben, und die kleinen Vogelbeerenarten mit weißen und rosa Beeren

Praktisches

Während der Sommersaison ist vormittags ein kleines Café geöffnet. Der Zutritt zum Garten ist kostenlos und es gibt einen Parkplatz unterhalb des Gartens. Es sind etwa 40 Minuten zu Fuß, aber die Linie 20 vom Stadtzentrum zur Haltestelle Nordlysplanetariet fährt in kurzen Abständen. Von dort aus ist es ein schöner Spaziergang durch den Wald zum Garten. Der Kreuzschiffhafen von Tromsø liegt direkt unterhalb des Gartens.

Für weitere Informationen besuchen Sie www.visittromso.no