Die beschauliche Inselgemeinde Bolga im nördlichen Helgeland hat gerade einmal 100 Einwohner. Trotzdem – oder gerade deshalb – kann man hier herrlich logieren und gut essen. Dazwischen lässt man die Seele baumeln, ob beim Paddeln durch den Schärengarten oder Bergwandern mit grandiosem Blick über nahezu die gesamte Nordlandsküste.

Kleine Fischersiedlung

Auf der Überfahrt nach Bolga fällt zunächst der markante Gipfel auf, ein wichtiges, schon immer genutztes Seezeichen für die Küstenschifffahrt. Bei näherem Hinsehen rücken Wiesen und Häuser ins Blickfeld. Die etwa 100 Einwohner der Gemeinde leben konzentriert auf der Südostseite der Insel. Hier befinden sich flache, grüne Äcker und eine verhältnismäßig dichte Bebauung moderner Häuser mit gepflegten Gärten sowie einiger schön restaurierter Nordlandhäuser. Der geschützte Hafen umfasst eine kleine Fischannahmestelle - wichtiger Arbeitgeber für die Gemeinde – und bietet einen Gästekai. Von hier aus sieht man auch die Netzgehege der Lachszucht draußen im Sund. Ein kleiner Laden und eine Gaststätte bilden das Serviceangebot.  

Felsspalt Bolgbørra und Ruckelstein

Die Bolgbørra ist ein natürlicher Felsspalt, der eine Höhle mit zwei Eingängen bildet. Man erreicht sie über einen steilen Anstieg von der Schule aus. Wer sie durchschreitet, wird auf der anderen Seite mit einem völlig anderen Blick belohnt, der an klaren Tagen bis zur Lofotenwand im Norden reicht. Der Ruckelstein – die Einheimischen nennen ihn „Ruggestein“ – ist ein loser, 60 Tonnen schwerer Felsblock an der Westspitze der Insel. Kurios ist, dass man ihn tatsächlich in Bewegung bringen kann – ein einziger Mensch vermag dies ohne weitere Hilfsmittel. Zum Ruckelstein führt ein leicht begehbarer Pfad, der auch herrliche Ausblicke auf das Inselgewirr im Westen der Hauptinsel bietet.

Insellabyrinth Bolgværet

Die 365 kleinen Inseln westlich von Bolga – eine Insel für jeden Tag des Jahres - werden bei den Insulanern „Bolgværet“ genannt – das Bolgdorf. Bis in die 1960er Jahre lebten hier tatsächlich noch viele Menschen. Dann allerdings führte man für die Bevölkerung der entlegenen Inseln staatliche Umzugszuschüsse ein, um sie zu einem Wohnortwechsel in die Regionen mit besserer Infrastruktur zu bewegen. Heute ist die Inselidylle weitgehend unbewohnt – einige der ehemaligen Wohnhäuser werden noch als Ferienhütte genutzt, andere verfallen. Das Bolgværet ist jedoch noch immer „in Betrieb“ – die geschützten Lagen zwischen den Inseln eignen sich hervorragend für die Fischzucht. Für den Tourismus hat der verlassene Archipel seinen besonderen Reiz: Paddler finden hier ein Kajak-Eldorado. Wer das Zelt dabei hat und Selbstversorger ist, kann die Nacht mutterseelenalleine auf einer eigenen Insel verbringen. Für Reisende ohne eigenes Boot gibt es am Kai der Hauptinsel eine Bootsvermietung.

Kajak-Eldorado

Marit Swensen vermietet auf Bolga Kajaks und bietet Kajakkurse an. Anfänger können sich einer geführten dreistündigen Schnuppertour anschließen und dabei das helgeländische Inselparadies kennenlernen, das die Küste von den rauen Stürmen des offenen Meers abschirmt. Vom Kajak aus sieht man bis zum Svartisen-Gletscher und den grandiosen Gipfeln des Festlandsgebirges. Nach einem zweitägigen Kajakkurs erhält man die sogenannte Våtkort, die dem Europäischen Paddel-Pass (EPP) der Stufe 2 entspricht und dazu berechtigt, ein Kajak zu mieten und sich auf eigene Faust in das Insellabyrinth zu begeben.

Auf den Gipfel des Inselberges

Der 338 Meter hohe „Hausberg“ der Insel heißt Bolgtinden. Er lässt sich auf einer gut einstündigen, außerordentlich kurzweiligen Tour erklimmen. Der Anstieg enthält einige Kletterpassagen, teils mit Seilhilfe, man durchquert ein Moor und überwindet einen Grat. Ausgesetzt oder gefährlich ist der Weg jedoch nicht und deshalb auch für weniger Geübte geeignet. Der Lohn übersteigt die Mühen des Aufstiegs um ein Vielfaches: Auf dem Gipfel erwartet den Wanderer ein überwältigender Rundblick über die Nordlandsküste. Im Süden grüßen die märchenhaften, einem verworrenen Insellabyrinth entwachsenden Bergformationen des Helgelands herüber, im Norden erkennt man die Gipfel rund um die Stadt Bodø und im Westen, weit draußen im offenen Meer, erahnt man die Inseln Værøy und Røst, Außenposten der Zivilisation.

Inselgaststätte

Britt von der „Kroa“, der Inselgaststätte, servierte dem Team von www.nordnorge.com gebackenen Seeteufel mit Kartoffeln, geraspelten Möhren und einer verführerischen Sauce. Derartige Hausmannskost ist in den Privathaushalten der Küstenbevölkerung recht üblich, auf den Speisekarten der Restaurants jedoch eher selten anzutreffen. Den ganzen Sommer über machen sich Reisende aus Nah und Fern, Bootstouristen von Helgeland, Salten und Bodø, Fischer, Chöre, Vereine und Clubs auf den Weg zu Britt. Auf den Tisch kommt der Fisch, der sich in die Nähe der Insel wagt. Im Sommer ist das Restaurant täglich geöffnet, im Winter empfiehlt sich eine telefonische Vorbestellung.

Unterkunft und Boot

Die Fischerhüttensiedlung Bolga Brygge bietet moderne, geräumige Rorbu-Hütten mit fantastischem Blick. Zudem gibt es privat vermietete Ferienhäuser und den Fischerkai mit einfachen, günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. Eine vorherige Reservierung ist ratsam. Die Schnellbootlinie Nordlandsexpress von Bodø nach Sandnessjøen legt ebenfalls in Bolga an, außerdem verbindet ein Lokalboot die Insel mit Grønnøy im Süden der Gemeinde Meløy sowie eine Autofähre mit Ørnes.

Nähere Informationen

www.bolga.no ist die Internetseite von Bolga mit einer Übersicht zu Übernachtungsangeboten, Tipps und Ideen für den Urlaub sowie den aktuellen Fähren- und Bootsfahrplänen für Bolga.  www.visitmeloy.com bietet Wissenswertes über die gesamte Küstengemeinde Meløy, der auch Bolga angehört.