Der Sage nach bestehen die Fjells entlang der Küste Nordlands aus versteinerten Trollen - die „wahre“ Geschichte erfahren Sie hier.

Zwei zornige Greise

In Hålogaland, ganz im Norden, saßen sich einst zwei zornige Greise an den Ufern des Vestfjords gegenüber und starrten sich grimmig an. Es verband sie keine Freundschaft, denn sie wollten beide der Größte sein. Und verschieden waren sie auch – der eine ein Fjellbewohner, der andere ein Seemann.

Riesen, wie sie im Buche stehen

Vågakallen hieß der eine, der im Westen tausend Meter über dem Meer auf seinem Stuhl saß und die Lofoten, den Vestfjord und Millionen von Dorsche sein Eigen nannte. Jahrtausende hatte er dort bei Henningsvær auf dem Felsen am Meer gehockt und schon so manchen Gefahren getrotzt, einschließlich des Hammers des Donnergottes Thor.

Unglücklich verliebt

Gegenüber saß Landegomøya auf der Insel Landego und schaute sehnsüchtig zu Vågakallen, ihrer heimlichen Liebe, hinüber. Mit ihm hatte sie heimlich ein Kind bekommen, obwohl sie Blåmannen nördlich von Sulithjelma versprochen war. Nachts kleidete die Sonne Vågakallen in ein purpurnes Kleid und abends setzte sie ihm eine Goldkrone auf.

Jugendlicher Wagemut

Vågakallens einziger Sohn Hestmannen, ein wilder, eigensinniger Bengel, der Pferde liebte, verließ im Streit seinen Vater und ließ sich auf dem Berg Svolværfjell zusammen mit Svolværgeita nieder. Bald überragte er seinen Vater, und es war nicht ratsam, Hestmannen und seinem unberechenbaren Gemüt zu nahe zu kommen.

Ein alter, wohlhabender Herr

Im Osten wachte der König Suliskongen über sein Reich aus mächtigen Bergen, Wildnis, Wäldern und Seen, das sich bis hin zu den Felsen an der Grenze Schwedens erstreckte. Er lachte sich oft ins Fäustchen, denn niemand außer ihm wusste, wie viel Kupfererz und andere Reichtümer sich unter seinem Felsen verbargen.

Trotz ihrer gegenseitigen Abneigung waren sich Vågakallen und Suliskongen darüber einig, dass die Jugend einfach nicht mehr zu bändigen war.

Das schöne Geschlecht

Suliskongen erzürnten seine sieben Töchter, die ihm das Leben schwer machten. Letztlich wusste er sich nicht anders zu helfen, als sie auf der Insel Landego auszusetzen und Landegomøya als Hauslehrerin zu engagieren. Zusätzlich engagierte er die Kinderfrau Lekamøya, um die wilden Mädchen zu zähmen. Auf Landego lebten die sieben Schwestern fortan ein stilles Leben im Sonnenschein, und im Winter strahlte über ihren Köpfen das Nordlicht.

Unbändige Leidenschaft

Doch eines Nachts im Mai saß Hestmannen auf seinem Berg bei Svolvær und blickte über den Vestfjord nach Landego. Er erspähte Lekamøya und die sieben Schwestern, wie sie in den kleinen Wellen unter dem hellen Frühjahrshimmel badeten. Sogleich war er Feuer und Flamme, schwang sich in voller Montur auf sein Pferd, schlug sich den Mantel um die Schultern und ritt in vollem Galopp die 150 km zum Vestfjord. Sein Helmbusch flatterte im Wind, als er nach Süden jagte, und das Meer leuchtete durch die Funken schlagenden Hufe seines Pferdes. Lekamøya entdeckte Hestmannen, als er mit leuchtendem Blick auf sie zu brauste. Sie erkannte, dass hier weder Gebete noch Widerstand halfen, diese Gefahr abzuwenden, und sammelte daher die sieben Schwestern um sich und flüchtete mit ihnen nach Süden.

Rødøyløva schob zu diesem Zeitpunkt Wache und schaute verwundert über den Lärm nach Norden.

Wie angelt man sich einen Kavalier?

Suliskongens Töchter fanden es alsbald albern einfach zu türmen, zudem vor so einem Kavalier wie Hestmannen einer war. Daher warfen sie ihre Mäntel von sich, die zu Boden fielen und die Insel Dønna bildeten, und stellten sich in Reih und Glied auf und geizten nicht mit ihren Reizen. Ganz im Norden stand die jüngste Schwester Botnkrona, gefolgt von Grytfoten, Skjeringen, Tvillingene, Kvasstinden und ganz im Süden Breitinden, der ältesten. Letztere trug sogar ein „uneheliches Kind“ auf dem Rücken.

Wilde Jagd und Eifersucht

Die sieben Schwestern hätten sich aber ihre Mühe sparen können, denn Hestmannen hatte nur Augen für Lekamøya. Diese setzte ihre Flucht nach Süden fort, bei Tjøtta warf sie Backbrett und Nudelholz von sich und hastete mit Siebenmeilenstiefeln weiter.

Sobald Hestmannen merkte, dass er sie nicht einholen konnte, schoss er voller Zorn einen Pfeil hinter Lekamøya her.

Ein Troll mit Hut

In den Bergen bei Brønnøy saß zeitgleich ein Troll, der sich königlich über das Schauspiel amüsierte, das sich ihm bot. Doch als er den Pfeil ansausen sah, warf er seinen Hut in dessen Flugbahn.de r Pfeil durchbohrte den Hut und der Hut sank ins Meer, wo er noch heute als der Berg Torghatten liegt – das Loch, das der Pfeil bohrte, ist heute noch zu sehen. Lekamøya unterdes rettete sich über die Grenze ins nördliche Trøndelag.

Und niemand schaute auf die Uhr...

Da die Frühlingsnächte in Nordland kurz sind, erhob sich alsbald die Sonne am Horizont. Daraufhin wurden alle Trolle zu Stein, wo sie gerade standen: Lekamøya auf Leka, Torghatten bei Brønnøysund, die sieben Schwestern auf Alsten bei Sandnessjøen, Hestmannen in Lurøy am Polarkreis, Rødøyløva bei Rødøy, Landego bei Bodø, Suliskongen an der Landesgrenze zu Schweden und Vågakallen hoch über dem Vestfjord. Und dort werden sie stehen, bis die Welt untergeht. Machen Sie sich auf zu einem märchenhaften Abenteuer. Tauchen Sie ein in dieses sagenhafte Abenteuer, das Ihnen nur die nordländischen Tage und Nächte bieten können!