Ein furchteinflößender militärischer Stützpunkt mit gigantischen Kanonen ist heute ein friedlicher und wunderschöner Aussichtspunkt. Begleiten Sie uns auf eine Führung in der Batterie Dietl auf Engeløya in Steigen.

Kontrolle über den Vestfjord

Als Norwegen während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen besetzt war, war die Kontrolle über den Eisenerzexport aus dem Narviker Hafen von größter Bedeutung. Eisenerz wird zu Stahl und aus Stahl werden Kanonen. Der englische Angriff auf Narvik im April 1940 und der britische Raid gegen Lofoten 1941 waren Gründe für die Deutschen, sich gegen einen britischen Angriff in dieser sensiblen Region zu schützen.

Riesige Kanonen

In der Batterie Dietl wurden die größten Landkanonen der Welt eingesetzt, die sogenannten Adolfkanonen. Ursprünglich waren sie für eine neue Klasse von Kriegsschiffen gedacht, diese wurde jedoch nie gebaut. Stattdessen wurden die Kanonen auf Festungen an der polnischen Küste, der Kanalküste und auf Trondenes genutzt. Drei der Kanonen wurden auch auf der Batterie Dietl aufgestellt, jedoch wurden diese nach dem Krieg eingeschmolzen. Darüber hinaus ist die  Batterie Dietl eine unberührte und gut erhaltene Anlage.

56 Kilometer

Die Adolfkanonen hatten ein Kaliber von 40,6 cm, genug Platz also für einen erwachsenen Mann. Eines der bis zu 1 Tonne schweren Geschosse konnte ein Mal pro Minute abgefeuert werden und bis zu 56 km schießen. Damit hatte die Batterie Dietl eine derartige Kontrolle über den Vestfjord, dass keines der alliierten Kriegsschiffe sich hineinwagte. Die Batterie Dietl war ein Teil des Atlantikwalls, der das Dritte Reich vor den Alliierten schützen sollte.

Schnell an Ort und Stelle

Der Bau der Anlage begann im Sommer 1942. Schon im August 1943 waren zwei der Kanonen in Betrieb. Im Januar 1944 war auch die letzte an ihrem Platz. Dennoch wurde bis Kriegsende weiter an der Anlage gebaut. Vor dem Krieg war Engeløya eine abgelegene Siedlung ohne Strom und Wegenetz. Deshalb wurde eine Kaianlage errichtet und Wege zum Küstenfort angelegt, in dem die Kanonen standen. Die Zivilbevölkerung von Bø, dem Nachbarort, wurde mit einer Ankündigung von drei Tagen im Sommer 1943 zwangsevakuiert.

Russische Gefangene

1700 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und einige hundert Zwangsarbeiter aus Norwegen und anderen europäischen Ländern mussten die Batterie Dietl bauen. Die Sterblichkeit unter den russischen Gefangenen war erschreckend hoch. Mehr als 500 von ihnen starben, die meisten im ersten Winter. Später wurden Essen und Gesundheitsfürsorge verbessert, was die Sterblichkeitsrate erheblich verringerte. Auch Norweger nahmen bezahlte Arbeit in der Batterie Dietl an.

Eine Welt aus Beton

Überwucherte Schotterwege, bröckelnder Beton und rostiger Schrott: Seit 60 Jahren haben keine Soldatenstiefel das Gebiet um das Fort betreten. Bei einer Führung bekommt man den Betonbunker unter einer der Kanonen zu sehen. Die Batterie Dietl wählte ihre Soldaten aus der Marine aus – so lagen die Soldaten auch hier im Schlafraum in Hängematten. Die Haken der Hängematten sind noch immer zu sehen, daneben die Nachnamen der deutschen Soldaten in gotischen Lettern. Auch Toiletten und Waschbecken sind noch intakt.

Abschuss

Nach dem Krieg wurden die Kanonen eingeschmolzen – es gibt sie also nicht mehr. Die Geschosse jedoch existieren noch – auch die Laufkatze und die Traverse, eine Art Schiene, die um das etwa 1 Tonne schwere Geschoss lag und es ins Lager führte, sind noch zu sehen. Eine Tür öffnet sich und man kann auf den Kanonensockel hinaus treten – er ist eine kreisrunde Anlage mit Schienen, die die Geschosse zur Kanone führten. Hier begreift man die Dimensionen des Ganzen.

Ausstellungen

Leere Munitionslager bilden heute große Hallen im Bunker. In einer dieser Hallen werden Kuriositäten aus dem Krieg ausgestellt. Sowohl Porzellan aus Porsgrund, verziert mit dem deutschen Reichsadler, als auch Medaillen und andere Schätze, die die Bevölkerung von Steigen nach dem Krieg aufgehoben hat, werden hier gezeigt. Das Nordlandmuseum bietet eine nachdenklich machende Ausstellung, in der russische Gefangene, deutsche Soldaten, abkommandierte deutsche Facharbeiter, die Lokalbevölkerung und andere ihre Geschichten erzählen. Die Figuren sind zwar fiktiv, geben aber Einblicke in die Menschenschicksale während des Krieges. Eine andere Halle wird für die jeden Sommer wechselnden Kunstausstellungen genutzt.

Touristenfalle und Lofotenwand

Das Fort ist groß und für alle zugänglich. Es gibt hier mehrere schöne Strände und die Klippen hinauf zu den Radarstationen sind besteigbar. Die kleinere Batterie auf Storøya ist auch für Besucher geöffnet. Diese sollten jedoch auf die Flut achtgeben, denn einige mussten in dieser sprichwörtlichen Touristenfalle schon zurück waten. Die fantastische Aussicht auf die Lofotenwand nimmt oft jegliche Aufmerksamkeit in Anspruch – man sollte sich daher auch vor überwucherten Bodenlöchern und Stacheldrahtresten vorsehen.

Besuchen Sie die Batterie Dietl

Wie viele der besten Dinge in Nordnorwegen liegt auch die Batterie Dietl an einem Wegesende, weit draußen auf Engeløya. Orientieren Sie sich an den Markierungen von der Hauptstraße nach Steigen, an der Kirche vorbei, über Viehstege, an Kuhherden vorbei, bis nur noch ein Schotterweg kommt – dann sehen Sie schon bald die Batterie. Den ganzen Sommer über werden jede volle Stunde Führungen im Bunker angeboten. Ziehen Sie sich etwas Warmes an, denn der Sommer kommt leider nicht durch den dicken Beton. Danach können Sie einen Kaffee draußen in der Baracke genießen – das Wasser dafür kommt aus dem Wassertank ganz unten im Bunker!

Lesen Sie mehr

www.nordlandsmuseet.no hat weitere Information über die Batterie Dietl, unter anderem aktualisierte Besucherinformationen. www.hamsuns-rike.no ist die Fremdenverkehrsseite für Steigen. Auf http://www.nordnorge.com/sor-troms/?News=194 finden Sie alles zur erhaltenen Adolfkanone auf Trondenes.