VAKE ist das härteste Snowkiting-Langdistanzrennen der Welt quer über die verschneite, baumlose Varangerhalbinsel. Auch Anfänger und Hobbysportler finden hier perfekte Bedingungen.

Nördlich der Waldgrenze

Sobald man die Waldgrenze hinter sich gelassen hat, eröffnen sich grenzenlose Möglichkeiten. Die baumlose, schneebedeckte Tundra auf der sanft gewellten Halbinsel am Eismeer eignet sich perfekt zum Snowkiting – einer Sportart, die sich nicht nur in Finnmark, sondern weltweit wachsender Beliebtheit erfreut. Alljährlich im April wird hier deshalb das Varanger Arctic Kite Enduro oder abgekürzt VAKE als weltweit erstes Rennen der Disziplin Langdistanz-Snowkiting ausgetragen.

Im Snowkiting-Paradies

Der erfahrene Kiter Benoît Tremblay aus dem kanadischen Québec bezeichnete die Varangerhalbinsel 2012 als das „Hawaii der Snowkiter“. Sich vom gleichmäßigen, ewigen Wind über die weißen Flächen ziehen zu lassen und dabei den Blick auf das Meer zu genießen ist ein Erlebnis, das immer mehr Menschen an den Rand des europäischen Festlandes zieht. Dieses Jahr sind für das Ausnahmeereignis mit regelmäßigem WM-Status Sportler aus 11 Nationen angemeldet.

300 Kilometer im Wind

Die Marathon-Route startet in Berlevåg ganz im Nordwesten und führt in einem großen U über die Varangerhalbinsel. Im Verlauf des Rennens passieren die Teilnehmer mehrere Kontrollpunkte, deren südlichster sich in Vadsø befindet. Ziel des Rennens ist Vardø im äußersten Nordosten. Die reine Luftliniendistanz der Strecke beträgt zwar „nur“ 200 Kilometer – doch die Snowkiter müssen oft gegen den Wind kreuzen, so dass insgesamt etwa 300 Kilometer absolviert werden.

Expedition

Etwa 40 Zweierteams stellen sich der winterlichen Herausforderung, ausgerüstet mit Schlitten und sämtlichem notwendigen Equipment für mindestens fünf Tage und Nächte im Schnee. Einzige Unterstützung für unterwegs stellt ein GPS-Gerät dar, ansonsten sind die Teilnehmer auf sich alleine gestellt. Zwischen 22 und 7 Uhr ist eine obligatorische Nachtruhe einzuhalten –die Wintersportler schlagen dort ihr Lager auf, wo sie sich eben gerade befinden. Auch an einigen Kontrollpunkten muss eine zweistündige Zwangspause eingelegt werden. Das Ziel ist nach drei bis vier Tagen erreicht.

Quirliges Leben an der Strecke

In Berlevåg fällt der Startschuss mit dem Festival «Vinterliv» - Winterleben - zusammen, das ein umfangreiches Kulturprogramm sowie einige humoristische Events wie den Stehschlittenwettkampf bietet. Am Kontrollpunkt Stjernevann im einsamen Zentrum der Halbinsel bauen per Auto und Schneescooter angereiste Enthusiasten Schneeburgen und harren um das Lagerfeuer versammelt aus, bis sie die Extremsportler begrüßen können. Der Kontrollpunkt bei Vadsø liegt in der Nähe der Stadt – hier nutzen begeisterte Schul- und Kindergartenkinder die Gelegenheit, den Kitern zuzujubeln.

Snowkiting

Kiten bedeutet, sich von einer Art Drachen ziehen zu lassen. Am meisten verbreitet ist das Kitesurfen, bei dem man sich auf einem Board stehend von einem Lenkdrachen über das Wasser ziehen lässt. Viele Trendsportler finden jedoch fast noch mehr Gefallen an der trockenen Variante: Sich einfach Skier anzuschnallen oder auf ein Snowboard zu stellen, den Drachen in den Wind zu halten und los geht die Reise - bestens geeignet für flachere Hochgebirgsareale, gefrorene Seen und alle sonstigen offenen Flächen.

Osterschnee oder Polarnacht?

Das Varanger Arctic Kite Enduro findet im April statt, da zu dieser Zeit die besten Bedingungen herrschen: Die Seen sind noch gefroren und es liegt reichlich Schnee. Tagsüber taut die Sonne die Oberfläche der Schneedecke an und nachts gefriert das Tauwasser wieder, wodurch eine perfekte Gleitunterlage entsteht. Die Tage sind bereits wieder recht lang bei oft stabilem Hochdruckwetter mit gleichmäßigem, ausreichend starkem Wind. Echte Freaks sind jedoch auch in der Polarnacht anzutreffen, wo sie entweder tagsüber die wenigen Stunden der Dämmerung nutzen oder mit Stirnlampe unterwegs sind.

Selbst den Drachen steuern

Wer das Snowkiten gerne einmal selbst ausprobieren möchte, findet sowohl in Finnmark als auch andernorts regelmäßige Kursangebote. Es ist wenig ratsam, alleine zum Kiten zu gehen oder sich ohne Kurseinführung der Gewalt des Drachens zu überlassen –denn der Wind entwickelt zuweilen eine nicht zu unterschätzende Kraft, der man mit Respekt begegnen sollte. Das abwechslungsreiche Gelände der Varangerhalbinsel eignet sich für Anfänger ebenso gut wie für Fortgeschrittene. Unerfahrene können etwa auf dem flachen Eis des mitten auf der Halbinsel liegenden Sees Stjernevann erste Gleitversuche starten, um sich dann schrittweise in anspruchsvolleres Terrain vorzuwagen.

Nähere Informationen

Die Varangerhalbinsel wird mit Kleinflugzeugen nach Berlevåg, Båtsfjord, Vardø und Vadsø erreicht. Der nächste größere Flughafen ist Kirkenes, von wo man direkt nach Oslo fliegen kann. Die Hurtigrute läuft täglich Vadsø, Vardø, Båtsfjord und Berlevåg an. In diesen Städtchen und Fischerdörfern gibt es eine gute Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten, etwas ist auch in den kleineren Ortschaften entlang der Küste der Halbinsel zu finden.