Norwegischer Lachs ist weltweit bekannt. In Netzgehegen vor der Küste findet er optimale Lebensbedingungen. Eine Schauanlage für Besucher mit Bootstransfer gewährt einen interessanten Einblick in die Lachszucht.

36 Millionen Lachsgerichte

Fisch ist nach Erdöl und Erdgas Norwegens größter Exportartikel. Täglich verlassen 36 Millionen Fischportionen das Land, 11-12 Millionen hiervon sind Zuchtlachs. Norwegen ist damit der weltweit größte Exporteur von atlantischem Lachs – was nicht nur der heimischen Wirtschaft zugute kommt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leistet.

Gesunde Kost

Lachs enthält eine Vielzahl gesundheitsfördernder Nährstoffe. Am wichtigsten ist der hohe Gehalt an Omega 3-Fettsäuren. Strenge Kalorienzähler finden im Lachs vermutlich weitaus höhere Brennwerte als im Dorsch. Doch die enthaltenen Fette sind überaus wertvoll – sie fördern die Leistung von Gehirn und Augen und wirken Herz- und Gefäßerkrankungen entgegen.

Optimale Bedingungen

Die norwegische Küste mit ihrem weit verzweigten Labyrinth aus Inseln, Fjorden und geschützten Buchten ist wie geschaffen für die Lachszucht. Abgeschirmt vom rauen Atlantik finden sich die Gehege hier an Standorten mit gutem Durchstrom – eine wichtige Voraussetzung für den begeisterten Schwimmer. Nicht einmal der arktische Winter beeinträchtigt die Zucht, denn der warme Golfstrom sorgt das ganze Jahr über für eine eisfreie Küste. Nur wenige Gebiete der Erde können mit derart optimalen natürlichen Bedingungen aufwarten.

Kreative Küstenbevölkerung

Lachsfarmen entwickelten sich im Laufe der 1970er Jahre in den Fischerdörfern entlang der Küste –hier war man mit Fisch, Garn und Ringwade bestens vertraut. Die Fischersiedlungen waren klein und lagen weit über die Küste verstreut, daher bot sich genügend Platz für derartige Anlagen. Gleichzeitig erlebte die traditionelle Fischerei eine Zentralisierung und Rationalisierung, wodurch Arbeitskräfte frei wurden, die in der neuen Branche willkommen waren.  

Glücklicher Lachs

Auch der Lachs selbst trägt zum Erfolg dieser „Geschäftsidee“ bei, denn er eignet sich besonders gut für die Zucht: Inmitten des Gewimmels lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen – im Gegensatz zu Dorsch, der schon eher aggressiv reagieren kann und sich deshalb viel schwerer kultivieren lässt. Zudem ist der Lachs ein hervorragender Futterverwerter, der seine Nahrung nahezu vollständig in Körpergewicht umwandelt. Somit ist der Meeresbewohner heute unser effektivstes Nutztier.

Herausforderungen und ihre Lösung

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Lachsbranche in den vergangenen Jahrzehnten ein abenteuerliches Wachstum erlebte. Doch wie bei anderen Wirtschaftszweigen auch sind Produktionssteigerungen mit Herausforderungen verbunden: In den 1980er Jahren breiteten sich Fischkrankheiten aus, die Impfungen und strenge Hygieneauflagen erforderten. Die Bemühungen waren erfolgreich – norwegischer Zuchtlachs ist heute wieder gesund, wobei nur noch ein Bruchteil der Medikamente eingesetzt wird, die in anderen Tierzuchtbranchen üblich sind. Die größte Herausforderung stellt derzeit die Lachslaus dar. Der kleine Parasit kommt in norwegischem Gewässer natürlich vor – doch wenn er überhand nimmt, kann er dem Lachs empfindlich schaden. Daher wird die Lachslaus strengstens überwacht und, falls nötig, mit Medikamenten in Schach gehalten. Seit einigen Jahren experimentiert man zudem mit dem Einsatz von Lippfischen, die die Lachse auf natürliche Weise von den Parasiten befreien. In Norwegen gilt derzeit eine der strengsten Gesetzgebungen für die Fischzucht - denn ein sauberes Meer und das Gleichgewicht der Natur sind die Lebensgrundlage der Menschen.

Treffpunkt Netzgehege

Nach einer Führung durch die Ausstellung ist es an der Zeit, nach den Lachsen zu sehen. Die Besucher werden mit Thermoanzügen, Stiefeln und Rettungswesten ausgestattet. In einem kleinen Passagierboot überwinden sie die wenigen hundert Meter von der Küste zu den Netzgehegen im Sortlandssund. Von der Reling aus blickt man nun direkt in die großen Ringwaden hinein, die sich 40 bis 50 Meter weit in die Tiefe fortsetzen. Eine automatische Futteranlage versprüht Lachsfutter. Wie große Regentropfen schlagen die Pellets auf dem Wasser auf, dazwischen schnellen beachtliche Fischkörper in die Höhe. Währenddessen erzählt der Tierpfleger von seiner Arbeit und dem Leben der Lachse.

Zu Besuch bei „Akvakultur i Vesterålen”

 „Akvakultur i Vesterålen“ ist eine Lachsfarm, die Besuchern offensteht. Eine Ausstellung am Kai vermittelt die Entwicklung der norwegischen Fischzucht und zeigt moderne Aquakultur in Norwegen. Sämtliche Aquakultur-Standorte Nordnorwegens sind auf einem 12 Meter langen Kartentisch aus Glas dargestellt. Zum Besuch gehört auch eine Bootsfahrt zur Aufzuchtanlage, um die dynamischen Tiere selbst zu erleben. Den Abschluss bildet eine Kostprobe von Lachs-, Forelle- oder Saiblingprodukten aus der Region. Die Anlage bietet zudem einen kleinen Fischladen. Akvakultur i Vesterålen ist generell in der Sommersaison geöffnet. Im Herbst, Winter und Frühling ist der Besuch mit Voranmeldung möglich.