Die Industriegeschichte von Glomfjord bildet einen Kontrast zur Küsten- und Samenkultur Nordnorwegens. Hier entstand in Zeiten der Blüte großer Wohlstand – doch auch die Talfahrten waren gewaltig.

Wasserkraft

In Glomfjord geht es um Wasser – in großen Mengen. Das Schmelzwasser des Svartisen sorgt über den Wasserfall Fykanfossen für eine gleichmäßige Zufuhr dieses Elements, das für den Antrieb von Turbinen und damit die Stromproduktion genutzt werden kann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Glomfjord daher von einem kleinen Ort mit ein wenig Landwirtschaft zu einem der produktivsten Industriestandorte.

Industrieller Boom

1912 wurde der erste Industriebetrieb gegründet, ein von Schweden erbautes Zinkschmelzwerk. Damals war der Transport von Strom noch schwierig, daher mussten Industrien mit einem hohen Strombedarf direkt an der Stromquelle errichtet werden. 1921 stürzte das Zinkschmelzwerk jedoch in den Konkurs – die erste von zahlreichen Krisen des Standorts Glomfjord. 1926 wurde schließlich ein Aluminiumwerk in Betrieb genommen, hinter dem britische Interessen standen. Es produzierte bis 1942 – dann wurde es im Rahmen einer Sabotageaktion der Alliierten zerstört.

Norsk Hydro

1947 begann Norsk Hydro mit der Produktion von Kunstdünger – als Beitrag zum Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg –und baute das Werk in den 1950er Jahren schrittweise aus. Die Blüte der klassischen Industriegesellschaft von Glomfjord lag in den 1960er und 1970er Jahren, als die Anlagen bis zu 700 Menschen beschäftigten. In den 1980er Jahren sank die Rentabilität der Kunstdüngerfabrik allmählich, weshalb die Produktion 1992 zurückgefahren und im Übrigen effizienter gestaltet wurde. Nun erlebte Glomfjord eine Periode des Umbaus und der Etablierung neuer Industriezweige.

Yara

Ab 2004 wurde die Kunstdüngersparte von Norsk Hydro ausgelagert und als selbständiges Unternehmen mit dem Namen Yara gegründet, der Name Hydro verschwand somit aus Glomfjord. In den Jahren 2008-2010 erlebte Glomfjord einen neuen Boom mit der Produktion von Solarzellen, die jedoch bald unter Druck geriet und sich 2011 aufgrund konkurrenzlos niedriger Preise der Wettbewerber aus China geschlagen geben musste. Nun befindet sich Glomfjord erneut in einer Umstrukturierungsphase, wobei Yara nach wie vor der größte Industriebetrieb ist.

Staat im Staat

Norsk Hydro war in den 1960er und 1970er Jahren in der Gesellschaft von Glomfjord allseits präsent. Das Unternehmen baute Wohnungen für die Arbeiter, stellte eine Stromversorgung zu stark vergünstigten Preisen bereit, kümmerte sich um die Wasserversorgung sowie die Instandhaltung von Straßen und Parks. Ein eigener Wohlfahrtsfonds finanzierte einen Sessellift ins Gebirge, um den Bewohnern das Skifahren oben in der Frühlingssonne zu ermöglichen, während Glomfjord selbst noch lange im Schatten lag. Auch Tennisplätze, Fußballplätze, Schwimmbad und die Unterstützung von Clubs und Vereinen sind seinem Engagement zu verdanken. Norsk Hydro kümmerte sich um die Menschen von der Wiege bis zum Grab. Erst 1982 übernahm die Gemeinde Meløy die Zuständigkeit für das öffentliche Leben in Glomfjord.

Industriemuseum Yara

Das Industriemuseum Yara im alten Bergenehaus in Glomfjord beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Gegenständen aus unterschiedlichen Industrieepochen von Glomfjord. Das Aluminiumwerk aus der Zwischenkriegszeit hatte eine eigene Schmiede zur Herstellung des erforderlichen Werkzeugs, während Norsk Hydro eine eigene Werkstatt betrieb, in der viele der Ausrüstungen hergestellt wurden, die in der Produktion benötigt wurden. Wer sich an einer Führung beteiligt, erhält von ehemaligen Arbeitern des Kunstdüngerwerkes einen Einblick in eine Ära, die vor dem Hintergrund der heutigen, unter hohem Wettbewerbsdruck stehenden Industrie noch als geschütztes Paradies erscheinen mag.

Kraftwerk Fykan

Südlich von Glomfjord, im Schatten mächtiger Bergflanken, befindet sich das Wasserkraftwerk Fykan – ein imposantes, monumentales Gebäude, das vom Architekten Olaf Nordhagen entworfen wurde. Im neoromanischen Stil ausgeführt, stellt es ein typisches Beispiel für die frühindustrielle Architektur Norwegens dar, bevor Stahl und Beton vorherrschend wurden. Das Denkmal vor dem Haupteingang erinnert an die Sabotageoperation Musketoon der Alliierten im September 1942. Bei dieser gewagten Aktion wurden das Kraftwerk und somit die kriegswichtige Aluminiumproduktion der deutschen Besatzer außer Gefecht gesetzt.

Stadtarchitektur

Die Wohnbebauung von Glomfjord sollte eigentlich am sonnenbeschienenen Südhang zum Fjord hin errichtet werden. Von dort aus war eine Straßenbahnlinie vorgesehen, die die Arbeiter in die Fabriken bringen sollte. In diesem Zusammenhang entstand auch eine Karte für eine richtige, angelegte Stadt. Aus der Straßenbahnlinie wurde nichts, doch in Jæra befindet sich ein konzentriertes Quartier von Funktionärswohnungen in intensiven Farben mit dem in der Vorkriegszeit üblichen hohen Walmdach. Direkt daneben thront ein imposantes Repräsentationsgebäude.

Anfahrt nach Glomfjord

Glomfjord liegt am innersten Ende eines Fjordes unter mächtigen Bergflanken. Touristen mit dem Auto besuchen natürlich das Industriemuseum Bergenehuset, das von Pensionären betrieben wird. Auf dem Weg zur Reichsstraße hinunter sollte man einen Abstecher nach Jæra machen, wo die Funktionärswohnungen und das Repräsentationsgebäude liegen. Das Kraftwerk Fykan liegt einige Kilometer weiter südlich am Fv17 und ist von Jæra aus sichtbar. 

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www.visitmeloy.no ist das Website des Fremdenverkehrsamts der Gemeinde Meløy, wo Glomfjord teil ist.