Der nördlichste auf dem Festland befindliche Leuchtturm der Welt ist im äußersten Nordosten der Nordkinnhalbinsel zu finden. Von hier aus blickt man ´gen Norden auf die unendlichen Weiten der Barentssee.

Im äußersten Norden

Der hoch aufragende, rotweiß gestrichene Gusseisen-Leuchtturm wurde 1905 in Betrieb genommen und lotst seitdem den Schiffsverkehr durch das seichte, tückische Fahrwasser. Für den Leuchtturmwärter, seine Assistenten und die zugehörigen Familien war der kleine, abgeschiedene Standort mit Blick auf die vorbeiziehenden Schiffe jahrelang Lebensraum und Zuhause. 1922 ergänzte man die Ausstattung mit einem Nebelhorn. Während des 2. Weltkrieges kontrollierte die deutsche Besatzungsmacht den Leuchtturm – und nutzte ihn strategisch: Das Signal wurde nur dann entzündet, wenn deutsche Konvois passierten.

Krieg und Wiederaufbau

Im Herbst 1944 sollte der Leuchtturm ebenso wie sämtliche anderen Spuren menschlicher Besiedlung in der Finnmark dem Erdboden gleich gemacht werden. Sämtliche Gebäude wurden damals während des Rückzugs der deutschen Truppen niedergebrannt oder auf andere Weise zerstört. Die Sprengung des Leuchtturms allerdings verlief nicht ganz nach Plan –nur seine Spitze wurde abgerissen. 1945, nach Kriegsende, installierte man im verbliebenen Teil provisorisch eine Gaslaterne. Im Rahmen des Wiederaufbauprogramms erhielt der Neubau des Leuchtturms höchste Priorität, weshalb er bereits 1949 seinen regulären Betrieb wieder aufnehmen konnte. Die übrigen Nachkriegs-Leuchttürme in der Finnmark wurden in Beton errichtet, nur in Slettnes entschied man sich, den noch vorhandenen Gusseisen-Sockel zu erhalten und mit einer neuen Spitze zu versehen.

Sozialdemokratische Architektur

Die Architekten Blakstad und Munthe-Kaas, die für den Wiederaufbau der Finnmark zahlreiche Gebäude entwarfen, zeichneten auch die neue Leuchtturmstation. Sie besteht aus vier gleich großen Wohnungen in zwei Gebäuden. Vier Außentoiletten in einer Reihe und vier Bootsschuppen gehören ebenso zum Ensemble. Die Vorkriegshäuser unterlagen noch einem gänzlich anderen Konzept – der Leuchtturmwärter war privilegiert und residierte damals in einem größeren, schöneren Wohngebäude als seine Assistenten – während die eher sozialdemokratisch geprägte Nachkriegszeit nun die Gleichwertigkeit betonte. 1973 verließen die Familien der Leuchtturmwärter und Assistenten die Leuchtturmstation. Die Wärter kümmerten sich fortan im Schichtdienst um das Leuchtfeuer und kehrten nach Ablösung jeweils nach Hause zurück. 2005 wurde Slettnes als einer der letzten Leuchttürme Norwegens auf vollautomatisierten Betrieb umgestellt.

Café und Führungen

Für Sommergäste der Nordkinnhalbinsel ist der 4 Kilometer lange Abstecher über die Kiesstraße von Gamvik aus ein Muss. Die Küche der Wärterwohnung verströmt den Duft frisch gebrühten Kaffees und knuspriger Waffeln, während das Wohnzimmer als Café dient. In der Sommersaison startet zu jeder ganzen Stunde eine Führung in den 39 Meter hohen Leuchtturm, der als fünfthöchster Leuchtturm Norwegens gilt. Über 139 Stufen geht es ganz hinauf zur Spitze, baugeschichtlich gelangt man dabei vom Sockel des beginnenden 20. Jahrhunderts bis zu dem kleinen Raum aus der Nachkriegszeit, in dem die neue Feueranlage untergebracht ist. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick auf die Barentssee mit den in der Ferne vorüberziehenden Schiffen, auf die weiße Brandung und die Landspitze Kinnarodden, den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes.

Übernachtung im Leuchtturm Slettnes

Wer noch intensiver „abschalten“ möchte und geringe Anforderungen an das abendliche Unterhaltungsprogramm stellt, kann sich in einem der Leuchtturmwärter-Zimmer einmieten. Schränke, Sprossenfenster und Lichtschalter sind in typischem Nachkriegsstil gehalten, die zeitlosen Gardinen und übrigen Möbel runden das Ambiente ab. Der Standard ist einfach – mit Bad auf dem Gang und Gemeinschaftsküche – die Hauptattraktion besteht hier in der Abgeschiedenheit bei unübertroffener Aussicht auf das Nordpolarmeer und den hoch aufragenden Leuchtturm.

Kulturlandschaft im hohen Norden

Im Rahmen eines Aufenthalts in der Leuchtturmstation Slettnes bietet es sich an, das Naturschutzgebiet Slettnes zu besuchen und auf dem Kulturlehrpfad Fotefar mot nord den „Fußspuren nach Norden“ zu folgen. Die flache Küstenlandschaft ist geprägt von Torfmooren und kleinen Seen, Lebensraum für eine Vielzahl von Vögeln wie Schmarotzerraubmöwen, Seeschwalben, Schnepfen und Enten. Ein wenig überraschend muten hier am Ende der Welt die Reste einer verhältnismäßig dichten Besiedlung an. Grundmauern von Häusern und Steinzäune zeugen von den ehemaligen Bewohnern in den kleinen Buchten, die im Wesentlichen vom Fischfang lebten. Der gut markierte Kulturpfad informiert auf Tafeln ausführlich über die vergangene Siedlungstätigkeit.

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