Eine Reihe Tierfiguren in elegantem, einfachem Strich bilden einen zusammenhängenden Fries auf einem Felsen im Tysfjord. Dies ist die größte und einer der ältesten Sammlungen von Steinzeichnungen in Nordnorwegen. Vielleicht fanden die Menschen vor 9000 Jahren schon, dass die Aussicht zum Stedtind atemberaubend schön ist.

Arme und Beine

Elche und Rentiere. Ein Bär. Ein Schwertwal in Lebensgröße. Ein Hase. Zwei Schwäne mit parallelen Hälsen. Alle Tierfiguren sind in einem leichten, natürlichen und eleganten Strich gezeichnet.Was sie darstellen sollen, ist leicht ersichtlich. Sie wurden übereinander gezeichnet, sodass ein Tier das andere überlappt. Sie bilden einen zusammenhängenden Fries aus Tierfiguren, die einen blankgewetzten Felsen hinab laufen.

Am schönsten im Abendlicht

Die Figuren sind nicht in den Stein geschlagen, wie die meisten Steinzeichnungen, sondern hinein geschliffen. Die dünne, weiße Linie, die jede Figur umrandet, ist nicht sofort sichtbar. Abends aber, wenn das Sonnenlicht etwas schräg auf den Berg scheint, sieht man sie deutlicher.

Eine andere Landschaft

Vor 9000 Jahren sah die Landschaft hier am Ende des Tysfjords etwas anders aus. Das Wasser reichte höher und die Steinzeichnungen waren wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe saisonaler Wohnplätze. Diese wiederum lagen ganz nahe am Fjord. Das Wiesen- und Waldgebiet, das wir heute vom Tierberg aus sehen, tauchte etwa 1000 Jahre später aus dem Meer auf. Die majestätischen Gipfel auf der anderen Seite des Tysfjords gab es bereits vor 9000 Jahren, ebenso wie den 1392 m hohen Berg Stetind.

Die ältesten in Nordnorwegen

Im Gebiet zwischen dem Polarkreis und Narvik gibt es eine Gruppe geschliffener Felszeichnungen. Sie sind bis zu 9000 Jahre alt und geben die gleiche naturgetreue Abbildung der Tiere wieder, wie wir sie auf Leiknes finden. Die übrigen Steinzeichnungen, die es ansonsten in großer Anzahl in Nordnorwegen gibt, sind alle in den Stein gehauen worden. Sie haben eine gröbere, eher stilisierte Form. Die Gruppe aus dem nördlichen Nordland hebt sich also deutlich von diesen ab und repräsentiert vielleicht eine eigene Kultur oder eine ethnische Gruppe, die sich von der übrigen Bevölkerung unterschied.

Warum?

Die Motive sind einfach zu erkennen. Was wir jedoch nicht wissen, ist, warum die Menschen diese Zeichnungen machten und welche Rolle die Figuren im Leben der Menschen vor 9000 Jahren hatten. Möglicherweise versprach sich der Künstler einen besseren Jagderfolg, wenn er das Beutetier zeichnete? Vielleicht symbolisieren die Tiere Götter oder Vorfahren? Vielleicht markieren sie auch die Grenze eines Territoriums oder den Sammlungsort mehrerer Sippen? Das werden wir wohl nicht erfahren – die eigene Deutung der Zeichnungen kann genauso wahrscheinlich sein wie die der Archäologen.

Besuchen Sie Leiknes

Leiknes liegt ein paar Minuten von der Fähranlegestelle auf Bogenes an der E6 in Tysfjord/Nordland. Man folgt der  übersichtlichen Beschilderung von der E6 aus zu einem Parkplatz an einem kleinen Siedlungsweg. Von hier aus geht ein 5- bis 10-minütiger Fußweg an einem Pfad entlang. Markiert ist er mit weiß bemalten, runden Steinen – einer effektvollen und eleganten Lösung. Informieren Sie sich über die Sehenswürdigkeiten der Umgebung auf www.hamsuns-rike.no. Hier finden sie auch eine Übersicht der Übernachtungs- und Gasthausangebote.