Die ausdrucksvollen Holzschnitte von John Savio gelten als die ersten modern gearbeiteten Werke aus dem samischen Kulturkreis. Sie geben einen einzigartigen künstlerischen Einblick in den Alltag der Samen des frühen 20. Jahrhunderts. Savio wird heute als bekannter und beliebter Maler gewürdigt - sein Leben war allerdings von Armut und Krankheit geprägt. Das Saviomuseum in Kirkenes beherbergt eine ansehnliche Sammlung seines Wirkens und ist der beste Ort, um den Künstler kennenzulernen.

Holzschnitte und Gemälde aus der Welt der Samen

Die kräftigen, schlicht gearbeiteten Holzschnitte sind charakteristisch für John Savio. Trotz vielfältiger Motive, gerne Rentiere in der Tundra, Wölfe, samische Hunde aus der Familie der Spitze und solitär stehende Bäume, prägt eine unverkennbare Linienführung seine Werke. Savios Entwicklung von Technik und Motivauswahl lässt sich durch die beiden Jahrzehnte seines künstlerischen Schaffens gut nachvollziehen. Neben dem Holzschnitt beschäftigte er sich auch mit der Malerei.

Bugøyfjord

John Savio wurde 1902 in eine relativ wohlhabende samische Familie hineingeboren. Sein Vater hatte an einer Südpolexpedition teilgenommen, bei der er sich durch wertvolle Überlebenskenntnisse hervortat, während seine Mutter eine Kaufmannstochter aus Bugøyfjord war. 1905 erkrankte die Mutter jedoch und starb. Auch der Vater verunglückte – auf dem Weg nach Vadsø zur Beschaffung des Sargs. John Savio wuchs nach diesen tragischen Ereignissen bei seinen Großeltern auf.

Vardø und Bodø

Da die Großeltern als betriebsame Kaufleute, Rentierzüchter und Fischer einen gewissen Wohlstand erreicht hatten, konnten sie John eine Ausbildung angedeihen lassen. Er absolvierte die Mittelschule in Vardø, wo ihn der bekannte samische Parlamentsabgeordnete Isak Saba unterrichtete. Dieser inspirierte den Jungen, sein zeichnerisches Talent zu nutzen – ein Selbstportrait aus dem Jahr 1917 ist noch erhalten. Nach der Mittelschule wechselte er auf das Gymnasium in Bodø, wo seine zeichnerischen Aktivitäten derart überhandnahmen, dass die übrigen Fächer vernachlässigt blieben.

Oslo

Schließlich zog John nach Oslo (Kristiania), um das Gymnasium abzuschließen und zugleich an der Staatlichen Handwerks- und Kunstindustrieschule Abendkurse zu belegen. Die langen Tage zehrten an seiner Gesundheit und verschlimmerten die Tuberkulose, die er sich in der Heimat zugezogen hatte. 1921 ließ er eine größere Lungenoperation vornehmen, die Krankheit sollte jedoch sein künftiges Leben prägen.

Karasjok, Lofoten und Romsdal

In den 1920-er Jahren war Savio vielfach in Norwegen unterwegs. Wegen Geldmangels ging er oft von Tür zu Tür, um seine Holzschnitte günstig zu verkaufen. Auf diese Weise gelangte Savios Kunst in Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen. Es kam auch vor, dass er Gemälde im Tausch gegen Geld oder sonstige Hilfen zum Lebensunterhalt verpfändete. Diese Werke sind weder signiert noch datiert, weshalb ihre zeitliche Einordnung heute nicht ganz einfach ist.

München, Köln, Paris – und Kaffeestube in Oslo

1934 reiste Savio durch Europa – er besuchte München und Köln und hielt sich längere Zeit in Paris auf. Im Sommer 1936 konnte er seine Werke in Paris ausstellen und erhielt anerkennende Kritiken. Anschließend kehrte er wieder nach Oslo zurück, wo er eine kleine Dachbodenkammer bezog, die er eigentlich nicht bezahlen konnte. Häufig war er nun in der „Kaffistova“ anzutreffen, wo viele „Hungerkünstler“ aus Nordnorwegen verkehrten. Von den etablierten Kunstmilieus hielt er sich dagegen eher fern.

Armenbegräbnis

Im Winter 1937-38 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. Sein letztes Bild signierte er mit Hilfe eines Freundes, der ihm den Stift hielt, da er selbst schon zu schwach geworden war. Im April 1938 verstarb Savio und wurde auf dem Osloer Friedhof Vestre Gravlund im Armenbereich begraben. Posthum wurden zwei Gedenkausstellungen organisiert, 1939 und 1941, mit über 400 Werken von Savio, die man von zahlreichen Eigentümern als Leihgabe zusammengetragen hatte.

Dürer, Japan und der Expressionismus

John Savio suchte bei Künstlern wie Edvard Munch, Nikolai Astrup und den großen Expressionisten Frankreichs Inspiration. Weitere Quellen stellten die japanische Kunst und der Renaissance-Grafiker Albrecht Dürer dar. Savios Einordnung in die internationale Kunst ist noch nicht hinreichend erforscht. Ihm lag eine völlig eigene Art zugrunde, innere und äußere Gefühle auszudrücken.  Ganda ja nieida, gutt og jente (Junge und Mädchen), eines von Savios bekanntesten Bildern, das ein samisches Liebespaar abbildet, strahlt eindrucksvoll die innere Gefühlswelt der Liebenden aus. Einsamkeit ist eines seiner Hauptmotive, weshalb man davon ausgeht, dass Savio sich selbst einsam fühlte, so wie er es im Holzschnitt Okto ausdrückte, der ein einzelnes Rentier auf einem Fels weit über der Landschaft zeigt.

Saviomuseum

John Savio blieb seinen samischen kulturellen Wurzeln zeitlebens treu. Das Saviomuseum in Kirkenes ist heute Teil des Museumverbands Tana und Varanger und befindet sich unter einem Dach mit dem Grenzlandmuseum am Førstevannet in Kirkenes. Es ist ganzjährig geöffnet und von den Hurtigruten-Schiffen aus über einen Transferdienst zu erreichen.