Eine der großen Dramen des 2. Weltkrieges spielte sich in Nordnorwegen ab. Das gigantische Kriegsschiff Tirpitz hielt die alliierten Kräfte in Schach bevor sie im November 1944 versenkt wurde. Hier erfahren Sie warum.

Ein gewaltiges Schiff

Die Tirpitz war in jeder Hinsicht ein gewaltiges Schiff. Mit einer Länge von 823 Fuß oder 251 Metern hatte das Schiff vollbeladen ein Gewicht von 50 000 Tonnen. Der Stahl der Schiffsseiten war 30 cm dick .Acht der Kanonen auf der Tirpitz hatten ein Kaliber von 38 cm. Sie gehörten zu den größten je gebauten Schiffskanonen. Die Tirpitz hatte einen Besatzung von 2600 Mann. 100 davon waren Offiziere. Mit 30 Knoten war sie doppelt so schnell wie die Hurtigrute und war schneller als jedes der alliierten Kriegsschiffe. Alles in allem war die Tirpitz eine Waffe von Format.

Die Murmansk-Konvois

Warum schickte das 3.Reich sein größtes Schiff an einen Außenposten wie Nordnorwegen? Die Antwort sind die Murmansk-Konvois: Lastschiffe beladen mit Tankwagen, Munition und anderer Kriegsausrüstung. Sie wurden in Großbritannien und den USA hergestellt und nach Murmansk geschickt um den Einsatz der Sowjetmacht zu stärken. Natürlich wollte Hitler diesen Transport verhindern. Ein anderer Grund war die alliierten Seestreitkräfte zu binden und einen Angriff der Alliierten auf das von Deutschland besetzte Norwegen zu verhindern.

In Ruhe im Altafjord

Im Januar 1942 wurde die Tirpitz nach Norwegen geschickt und lag dort lange im Trondheimsfjord. Im März wurde sie von einem britischen Schiff angegriffen - vergeblich. Im September griff die Tirpitz die Grubengemeinden auf Spitzbergen an. Dies war der einzige Großangriff der von der Tirpitz selbst ausging. Ab März 1943 lag das Schiff wegen Treibstoffmangel vorübergehend im Kåfjord in Alta. Von Großbritannien aus war die Flugstrecke zum Kåfjord sehr weit. Außerdem war die Einfahrt in den Fjord leicht überschaubar. So lag die Tirpitz gut geschützt als ständige Bedrohung gegen britische und sowjetische Kriegsführung.

Operation Source

Für Winston Churchill war die Tirpitz die Hauptbedrohung für die alliierte Schifffahrt. Die Briten setzten also alles daran das Schiff zu versenken. Im September 1943 konnten britische Mini- U- Boote ungesehen an den U-Boot-Netzen im Kåfjord vorbeifahren und in einem waghalsigen Manöver Bomben an den Schiffsseiten befestigen. Die Explosionen verliefen jedoch nicht nach Plan. Die Tirpitz bekam einen 18 m langen Riss an der Seite, wurde jedoch nicht außer Gefecht gesetzt. Bereits im April 1944 waren die Reparaturarbeiten beendet.

Weitere Angriffe

Im Zeitraum April – Oktober 1944 führten die Alliierten sechs Angriffe auf die Tirpitz aus, von denen keiner das Schiff ganz außer Gefecht setzen konnte. Trotzdem wurden ständig neue Reparaturen nötig, was Deutschland mit seinen knappen Ressourcen stark belastete. Deutschland startete außerdem den Rückzug aus der Finnmark, weshalb die Tirpitz im Oktober 1944 nach Håkøybotn bei Tromsø fuhr, um dort als schwimmende Festung an der neuen Front zu operieren.

Endlich in Tromsø

Am 12.11. 1944 flog ein Schwadron von 32 britischen Lancastermaschinen über schwedisches Gebiet nach Tromsø. Sie hatten sogenannten tallboys dabei: 5 Tonnen schwere Bomben, die für das dicke Stahl der Schiffsseite der Tirpitz vorgesehen waren. Die Tirpitz wurde 3 mal getroffen, bevor sie umkippte und innerhalb von 11 Minuten sank. Die genau Anzahl der Toten ist schwer zu sagen, es dürften aber zwischen 950 und 1200 gewesen sein. 200 Männer wurden gerettet. Die Tirpitz war nun endgültig versenkt und lag Kiel oben auf Grund.

Erinnerung an die Tirpitz

In einer ehemaligen Baracke der Deutschen in Kåfjord/Alta befindet sich das Tirpitzmuseum http://tirpitz-museum.no. Hier wird die dramatische Geschichte über die zahlreichen Angriffe auf die Tirpitz im Altafjord erzählt. Das Militärmuseum in Tromsø, http://www.tromsoforsvarsmuseum.no, befindet sich in einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg und berichtet über die Versenkung der Tirpitz. An beiden Orten finden sich viele Gegenstände von der Tirpitz. Ihre Geschichte wird mit dem übrigen Kriegsgeschehen in der Umgebung in Zusammenhang gesetzt.  Ein bescheidenes Denkmal steht am Strand der kleinen Insel Håkøya, so nah wie möglich an dem Ort, an dem die Tirpitz sank. Verrostete Reste des U-Boot-Netzes, dass zum Schiff gehörte sind noch sichtbar. Die Tirpitz selbst ist vor langer Zeit verschwunden - sie wurde im Laufe der Nachkriegsjahre zerteilt.

Erinnerungen an den Krieg in Nordnorwegen

Die schwere Zeit, in der das abgelegene Nordnorwegen plötzlich ein wichtiger Kriegsschauplatz wurde, kann man in den heimischen Museen, in bröckelndem Beton, verrostetem Stacheldraht, Kanonen und Denkmälern von Spitzbergen bis Helgeland erkennen. Hier folgt eine Auswahl.